Zoff um Managerhaftung

Versicherungsmakler Marsh wirbt Kunden für Allianz-Pool ab · Chartis hältdagegen

Von Herbert Fromme, Köln

Der Versicherungsgroßmakler Marsh mischt zusammen mit der Allianz den Markt für Managerhaftpflichtpolicen (Directors‘ and Officers‘ Liability, D&O) bei kleineren und mittelgroßen Firmen auf. Allianz-Rivale Chartis wehrt sich dagegen – und bietet Kunden noch günstigere Preise an, um ihren Wechsel zu verhindern.

Marsh-Geschäftsführer Georg Bräuchle bestätigte der FTD, dass der Makler für Managerhaftpflichtpolicen einen Pool mit der Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS) vereinbart hat, über den viele Einzelrisiken verschiedener Firmen gebündelt platziert werden. „Wir erreichen dadurch Großhandelskonditionen für kleine und mittelgroße Kunden“, sagte Bräuchle.

Makler vermitteln Kunden aus der Industrie an Versicherer wie AGCS. Mit D&O-Policen wiederum schützen Firmen Vorstände, Geschäftsführer und Aufsichtsräte gegen Ansprüche nach Fehlentscheidungen im Beruf. Bräuchle rechnet mit mehreren Hundert Verträgen.

Das Besondere daran: AGCS versichert eigentlich nur Kunden, die mehr als 500 Mio. Euro Jahresumsatz vorweisen können. Das ist bei diesen Firmen meist nicht der Fall.

Der AGCS-Schwester Allianz Versicherung, die in Deutschland für Privatkunden und Firmen bis 500 Mio. Euro zuständig ist, hatte Marsh das Geschäft gar nicht erst angeboten, wie Bräuchle sagte. Der Grund: Von den versicherten Firmen haben einige Töchter in den USA, wo die Allianz Versicherung keine Risiken abdeckt. Außerdem lehnt sie prinzipiell Vereinbarungen ab, bei denen Bedingungen vom Makler und nicht vom Versicherer vorgegeben werden.

AGCS hat solche Skrupel nicht, bot Marsh Versicherungstarife, von denen Kunden sonst nur träumen können – und zahlt dem Makler eine Provision von 25 Prozent der Beiträge. Normal sind bei D&O-Deckungen rund 20 Prozent, kleine Makler erhalten nur 15 Prozent.

Allerdings sind in dem Pool sehr viele kleine Verträge gebündelt, der größere Aufwand für Marsh könnte die höhere Provision rechtfertigen. Zu Provisionssätzen wollte Bräuchle nichts sagen.

AGCS wird es nach Ansicht von Marktkennern schwer haben, mit dem Deal Geld zu verdienen. „Bei der Art von Geschäft kommt eine Schadenwelle auf AGCS zu“, sagte Michael Hendricks vom Spezialmakler Hendricks & Co. Die von Marsh und AGCS verlangten Prämien seien derart niedrig, dass Kunden fürchten müssten, dass sie schon bald rasant ansteigen.

Chartis, früher AIG Europe, wiederum leidet besonders unter der Marsh-Aktion und hält dagegen: Kunden, die abwandern könnten, macht Chartis Angebote, die die Marsh-AGCS-Preise unterbieten.

Der Disput heizt die Diskussion um Maklerpools an. Die Makler verweisen auf die Kostenvorteile für Kunden, indem Risiken bei einem einzigen Versicherer gebündelt werden. Versicherer und Industriekunden dagegen fürchten, dass die Makler Risiken bewusst zu jenem Versicherer steuern, der am meisten Provision zahlt. Lotse ein Vermittler einen Großteil seines Umsatzes in einer Sparte nur zu einem Versicherer, sei er nicht mehr Makler, sondern Agent, für den aber das Rechtsumfeld anders ist, heißt es.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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