Allianz sucht Rendite auf der Schiene

Gebot für Bahntrasse von London zum Eurotunnel // Versicherer brauchtAlternativen zu Aktien

Herbert Fromme und

Patrick Hagen , Köln

Auf der Suche nach alternativen Anlagemöglichkeiten in Zeiten magerer Anleiherenditen bereitet die Allianz ein Angebot für die Zugstrecke zwischen London und dem Eurotunnel vor. Wie es in Finanzkreisen heißt, konkurriert Europas größter Versicherer im Kampf um die einzige britische Eisenbahn-Hochgeschwindigkeitsstrecke allerdings mit anderen hochkarätigen Adressen. Ein Bieterkonsortium bilden die Eurotunnel-Gesellschaft, der Infrastrukturableger der US-Bank Goldman Sachs sowie die Fondsgesellschaft M&G. Die Abu Dhabi Investment Authority, der Investor 3i und Morgan Stanley formen eine weitere Bietergruppe. Ebenso interessiert ist die Investmentgruppe CKI des chinesischen Milliardärs Li Ka-shing.

Konkret handelt es sich um die Strecke High Speed One, die den Kanaltunnel mit dem Londoner Bahnhof St Pancras verbindet. Ende Juni hatte die britische Regierung entschieden, das Recht am Betrieb der 109 Kilometer langen Strecke sowie von vier Bahnhöfen für die Dauer von 30 Jahren zu verpachten. London hofft auf Einnahmen von 1,5 Mrd. bis 2 Mrd. Pfund.

Zurzeit gehört High Speed One noch der staatseigenen Gesellschaft London and Continental Railways. Der Verkauf wird von der UBS organisiert. Einkünfte generiert die Strecke durch die Gebühren, die Bahnbetreiber wie Eurostar für die Nutzung zahlen.

Bereits im Januar hatte Allianz-Vorstand Paul Achleitner angekündigt, künftig vermehrt in Immobilien, alternative Energien und Infrastruktur zu investieren. Erst im August hatte der Konzern dem Lebensmitteldiscounter Aldi Süd 80 Immobilien abgekauft. Aktien als Anlageklasse sieht der Versicherer skeptisch – wegen der Volatilität muss er für Dividendenpapiere hohe Eigenkapitalquoten vorhalten.

Die Allianz investiert rund 400 Mrd. Euro an Lebensversichertengeldern und Schadenrückstellungen. Für einen großen Teil davon hat sie Zinsgarantien gegeben, die im Mittel rund 3,4 Prozent betragen. Mit der Neuanlage in Staatsanleihen sind sie heute nicht zu verdienen, mit Unternehmensanleihen schon eher.

Zinspapiere sollen auch künftig die größte Rolle in der Anlagepolitik des Unternehmens spielen. Aber mit Einzelinvestments wie bei Aldi oder jetzt in Großbritannien hofft die Allianz, die Rendite spürbar zu verbessern.

Zur Steuerung hatte Achleitner 2009 die alte Allianz Alternative Assets Holding auf die Private-Equity-Tochter Allianz Capital Partners (ACP) verschmolzen. Für Investitionen in Infrastrukturprojekte hat die Allianz ein Team um Ex-Goldman-Sachs-Banker Melchior Stahl aufgebaut, das Private-Equity-Geschäft leitet Karl-Ralf Jung. ACP beschäftigt rund 90 Mitarbeiter, darunter 50 Investmentmanager. Anfang 2010 verwaltete ACP rund 8 Mrd. Euro. Achleitner sprach damals davon, das Volumen zu verdoppeln.

Zusammen mit der Anlagekategorie Immobilien, die außerhalb der ACP verwaltet wird, dürfte die Allianz auf mehr als 25 Mrd. Euro kommen. Allein in Immobilien betrug der Bestand schon Mitte des Jahres 17,5 Mrd. Euro.

Großbritannien könnte für weitere Projekte lohnend sein. Die Regierung will mit aggressiver Sparpolitik und Privatisierungen das Staatsdefizit senken. Außer High Speed One sollen auch Anteile an der nationalen Flugsicherheit sowie der Dartford Crossing an der Themse – bestehend aus einer Brücke und zwei Tunneln – verkauft werden.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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