Assekuranz nimmt Teenager ins Visier

Anbieter setzen bei der Absicherung der Erwerbsfähigkeit immer mehr auf jungeAbnehmer // Neue Lösungen für Menschen mit Vorerkrankungen

Anne-Christin Gröger

Die Versicherer setzen beim Vertrieb von Berufsunfähigkeitspolicen immer stärker auf ganz junge Kunden. Damit wollen sie das schwache Geschäft mit traditionellen Lebensversicherungen ausgleichen. „Die Gesellschaften reagieren darauf, dass sie mit vielen ihrer Policen nicht mehr genug verdienen“, sagt der Aachener Versicherungsmakler Marc Jacobs. Im Trend liegen vor allem neue flexible Tarife, die sich an veränderte Lebensumstände anpassen.

Wer nach 1960 geboren ist, hat seit 2001 keinen Berufsunfähigkeitsschutz über die gesetzliche Rentenversicherung mehr. Für viele Kunden ist es aber kaum möglich oder zu teuer, dieses Risiko privat abzusichern. Manche Anbieter verweigern schon Legasthenikern oder Kunden, die eine Paartherapie gemacht haben, den Abschluss. Je älter und je kränker ein Interessent und je gefährdeter er in seinem Beruf ist, desto teurer wird die Police. Deshalb sind die Verträge Älteren schwer zu verkaufen – und das sind je nach Erwerbstätigkeit durchaus schon knapp über 30-Jährige.

Deshalb setzt die Assekuranz stärker als in den Jahren nach der Abschaffung des gesetzlichen Schutzes auf Schüler und Studenten. Junge, gesunde Versicherte sind für die Anbieter attraktiv, deshalb sind die Prämien vergleichsweise günstig. So binden die Anbieter früh Kunden, mit denen sie dauerhaft im Geschäft bleiben.

Die Angebote ähneln einander. Anfangs sind die Beiträge für die Versicherung günstig. Mit steigendem Alter passt die Gesellschaft die Prämie an. Häufig kann der Kunde die Versicherungssumme aufstocken, etwa, wenn er heiratet oder nach einem Karrieresprung mehr verdient. Viele Anbieter begrenzen aber den günstigen Schutz zeitlich. Bei der Württembergischen Lebensversicherung kann der Kunde bis zu 15 Jahren Deckung bekommen, ähnlich ist es bei dem Angebot für junge Leute von HDI-Gerling. Der Versicherte kann seinen Vertrag später in einen herkömmlichen Berufsunfähigkeitsschutz umwandeln. „Gute Anbieter verzichten dann auf eine zweite Gesundheitsprüfung“, sagt Jacobs. Je nachdem, welchen Beruf der junge Mensch wählt, nimmt ein solcher Versicherer nur noch die entsprechende Risikoeinstufung vor, von der die künftige Prämie abhängt.

Viele Kunden bekommen aber wegen Vorerkrankungen überhaupt keine Deckung. Den Versicherern entgeht viel Geschäft, denn die Abgelehnten wollen gerne einen Schutz. Bislang hatten sie nur die Alternative, eine Unfallversicherung abzuschließen. Erste Versicherer reagieren auf die Angebotslücke. Dazu gehört die deutsche Tochter des französischen Konzerns Axa. Sie verkauft die sogenannte Existenzschutzversicherung. Der Versicherer zahlt zwar nur bei schweren Erkrankungen, Unfall mit Invaliditätsfolge, Verlust der Grundfähigkeiten wie Sprechen oder Sehen und bei Pflegebedürftigkeit. „Das ist aber ein umfassenderer Schutz als bei einer einfachen Unfallversicherung“, sagt Axa-Sprecherin Sabine Friedrich. „Anders als bei der Berufsunfähigkeit können wir auch Menschen mit Vorerkrankung aufnehmen.“ Die Policen sind auch als Einstieg für Kunden gedacht, die zwar gesund sind, sich eine richtige Berufsunfähigkeitsversicherung finanziell aber noch nicht leisten können.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit