Assekuranz scheitert mit geplanten Preiserhöhungen

Industrie und Gewerbe kaufen weiter billig Versicherungen

Herbert Fromme , Hamburg

Das Kalkül der Versicherer, den krisenbedingten Anstieg von Schadenszahlungen über höhere Prämien abzufedern, geht nicht auf. Das zeigt die Entwicklung bei der Managerhaftpflicht. „Wir schätzen den Anstieg bei den Schäden auf grob 20 Prozent“, sagte Georg Bräuchle, einer der Geschäftsführer des Großmaklers Marsh, auf einem Treffen des Verbands der Deutschen Versicherungsmakler. „Trotzdem hat die Krise nicht zu einer Prämiensteigerung geführt.“ Die Versicherer hätten Preiserhöhungen nur in besonders krisengebeutelten Teilen der Finanzbranche durchsetzen können.

Seit Jahren kündigen die Versicherer an, dass sie dem Preisverfall nicht weiter zusehen und die Prämien wieder anheben würden. Doch bleibt es bei einer leeren Drohung, da die Konkurrenz zu stark ist. Auch 2011 dürften Industrie- und Gewerbebetriebe nicht mehr zahlen als 2010. Nach Einschätzung der Makler kann die Assekuranz die Prämienerhöhungen auch im Privatkundengeschäft nicht durchsetzen.

„Es drängen immer noch neue Versicherer und zusätzliche Kapazität in den Markt“, sagte Sven Erichsen aus der Geschäftsführung des größten deutschen Maklers Aon. Die einzelnen Gesellschaften stehen vor einer unangenehmen Entscheidung: Wenn sie auf höhere Preisen bestehen, verlieren sie Kunden. Diese können sie später nur mit erheblichem Aufwand zurückgewinnen. Keiner will zuerst zucken, um nicht der Verlierer zu sein. Die Versicherer hoffen, dass Rivalen das Feld verlassen und für eine Verknappung des Angebots sorgen. Die vergleichsweise guten Geschäftsergebnisse 2009 und in der ersten Hälfte 2010 verschaffen ihnen den nötigen Spielraum für ihr Stillhalten.

„In der industriellen Sachversicherung ist keine Trendwende in Sicht, die Märkte stabilisieren sich auf einem sehr niedrigen Niveau“, sagte Aon-Mann Erichsen. Allerdings steigen die Prämien für Problemrisiken wie Anlagen für Fleischverarbeitung, Holz und Recycling. Auch für internationale Naturgefahrenrisiken wie Erdbeben könne Versicherungsschutz knapp und teuer werden, sagte Erichsen.

Das bleiben aber Ausnahmen. Der Trend geht dahin, Kunden zu halten. Das gilt auch für die Autoflotten, ein notorisch defizitäres Geschäft. Die Kfz-Versicherer ändern im Moment ihre Zeichnungspolitik und wollen höhere Preise durchsetzen, sagte Marsh-Manager Bräuchle. „Aber man wird sehen, ob der Trend anhält, insbesondere wenn im Jahresendgeschäft die ersten Versicherer umfallen.“ Auch in den vergangenen Jahren sei den Ankündigungen heftiger Anpassungen meistens das Einknicken gefolgt, wenn tatsächlich der Verlust einer großen Zahl von versicherten Autos drohte.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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