Versicherer Zurich knickt bei Sammelklage in den USA ein

Schweizer Gesellschaft zahlt nach Vergleich 455 Mio. Dollar

Herbert Fromme , Köln

Der Schweizer Versicherer Zurich hat sich mit US-Klägern geeinigt, die seit 2003 gegen den Konzern wegen zu hoher Managementgebühren vorgehen. Zurich zahlt 13 Millionen Versicherten der kalifornischen Farmers-Gruppe insgesamt 455 Mio. Dollar, dazu kommen 90 Mio. Dollar Anwaltskosten.

Zurichs Nettoergebnis im dritten Quartal wird mit nur 295 Mio. Dollar belastet, weil der Konzern bereits Rückstellungen gebildet hatte und die Ausgaben steuermindernd wirken.

Die 13 Millionen Kunden sind oder waren bei den drei Farmers Exchanges versichert. Das sind Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit, die ihren Mitgliedern gehören. Die Besonderheit: Diese Vereine führen ihr Geschäft nicht selbst, wie das die Versicherungsvereine in Deutschland oder Frankreich in der Regel tun, sondern lassen das von Zurich machen – gegen eine Gebühr. Für Zurich ist das Geschäftsmodell ideal. Der Konzern kann im Wesentlichen bestimmen, wo es bei den Exchanges langgeht. Aber er steht nicht im Risiko und braucht deshalb dafür auch nur wenig Eigenkapital.

Bislang konnte er auch mehr oder weniger frei entscheiden, welche Managementgebühren fließen. Das wird künftig schwieriger: Die Kläger behaupten, Zurich habe unangemessen hohe Gebühren verlangt. Dem widersprachen die Schweizer zwar jahrelang vehement. Doch jetzt zeichnet sich ab, dass der Fall vor Gericht schwer zu gewinnen ist. Deshalb einigten sie sich auf den Vergleich. Für die betroffenen Kunden kommen 35 Dollar pro Kopf heraus, hat Zurich berechnet. Für die Anwälte ist der Ertrag substanzieller.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit