NRW hofft auf Fusion für WestLB

Übernahmekarussell wieder in Gang // Bayern wirbt um LBBW // StuttgarterBankchef nicht interessiert

Patrick Hagen , Köln,

und Rolf Lebert, Frankfurt

Das Spiel mit Szenarien für Landesbankenfusionen ist wieder in Gang gekommen. Bei einer FTD-Veranstaltung in Köln brachte Nordrhein-Westfalens Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) die Nord/LB als möglichen Partner für die WestLB ins Spiel. In München machte sich Bayerns Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) für einen Zusammenschluss mit der LBBW in Stuttgart stark. Deren Vorstandschef Hans Jörg Vetter erteilte allen derartigen Überlegungen gestern jedoch eine klare Absage: Die LBBW sei vollauf damit beschäftigt, ihre Umstrukturierung voranzutreiben.

Walter-Borjans skizzierte erstmals seit dem Krisentreffen mit EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia am 15. November seinen Notplan für die WestLB. Er setzt nach dem Scheitern des Zusammengehens mit der BayernLB immer noch auf eine Fusion mit einer anderen Landesbank. Im Notfall soll die WestLB bis Ende 2011 verkauft werden. Aber selbst eine Abwicklung der WestLB wollte Walter-Borjans nicht ausschließen. „Ich arbeite mit ganzer Kraft daran, das zu verhindern, aber ich kann jetzt keine Lösung ausschließen“, sagte er.

EU-Kommissar Almunia hatte vorige Woche klargemacht, dass ihm die bisherigen Schritte zur Umstrukturierung der WestLB nicht ausreichen. Bis zum 15. Februar 2011 muss die Bank einen weiteren Sanierungsplan einreichen. Bis dahin wurde auch die Verkaufsfrist für die WestLB-Tochter Westimmo verlängert.

Zusammenschlüsse von Landesbanken seien nötig, sagte Walter-Borjans. „Die EU-Kommission ist der Meinung, dass acht Landesbanken zu viel sind. Das halte ich für richtig.“ Neuer Wunschpartner für eine Fusion ist die Nord/LB. „Bislang gibt es wenig Erklärungen aus Hannover dazu“, sagte der Minister. „Ich glaube aber nicht, dass die Bank dauerhaft eine Stand-Alone-Lösung verfolgen kann. Kommen die rechtzeitig zur Vernunft? Daran arbeiten wir.“ Auch die Helaba sei „nicht uninteressant“, so Walter-Borjans. Anders die skandalgeschüttelte HSH Nordbank: „Die ist nicht so spannend für uns“, sagte er.

Er bedauere, dass die Verhandlungen mit der BayernLB geplatzt seien. „Die Gespräche sind abgebrochen worden, bevor die Datenräume gegenseitig zugänglich gemacht worden sind.“ Deshalb nehme er an, dass es andere Gründe gebe.

Auch die Bayern LB will neue Fusionsmöglichkeiten prüfen. Bei einem Alleingang dauere es zu lange, bis der Freistaat seine zur Rettung eingesetzten Kapitalhilfen von 10 Mrd. Euro zurückbekomme, sagte Bayerns Finanzminister Fahrenschon am Dienstagabend in München. Ein Zusammenschluss mit der WestLB wäre eine „Rettungsfusion“ gewesen und hätte der BayernLB gemessen an der Eigenkapitalrendite keine bessere Positionierung eingebracht. Fahrenschon schloss aber neuerliche Überlegungen für einen Zusammenschluss mit der LBBW nicht aus.

Auf die Landesregierung in Bayern kommen Kosten von 1,6 Mrd. Euro aus der Abschirmung des Portfolios toxischer Wertpapiere bei der BayernLB zu, sagte Fahrenschon. Eine Hochrechnung der erwarteten Verluste ergab 2,8 Mrd. Euro. Davon trage die Landesbank 1,2 Mrd. Euro selbst. Bayern bürgt maßgeblich für einen Schutzschirm von 6 Mrd. Euro für die BayernLB.

LBBW-Chef Vetter sagte, sein Institut habe sich verpflichtet, 700 Mio. Euro Kosten zu sparen, um die Kapitalhilfe ihrer Eigentümer über 5 Mrd. Euro bedienen zu können. „Erst wenn wir das erledigt haben, können wir uns neuen Aufgaben zuwenden“, sagte er. 2010 rechnet die LBBW mit einer „deutlichen Verbesserung“ ihres Ergebnisses, nach einem Verlust von 1,5 Mrd. Euro 2009. Im dritten Quartal erwirtschaftete sie einen Gewinn von 143 Mio. Euro, sodass sich in den ersten neun Monaten trotz Belastungen von 600 Mio. Euro aus dem Kreditersatzgeschäft der Verlust auf 147 Mio. Euro reduzierte, verglichen mit minus 290 Mio. Euro zur Jahresmitte. Zum vierten Quartal gab Vetter keine Prognose ab.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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