BaFin findet Aufpasserin für Versicherer

Finanzministerium beruft Gabriele Hahn an die Spitze

Herbert Fromme , Köln

Deutschlands Versicherungen bekommen einen neuen Chefaufseher: Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters soll innerhalb der Finanzaufsicht BaFin künftig Gabriele Hahn die Aufsicht über die Assekuranz leiten. Die Agentur beruft sich auf drei mit der Entscheidung vertraute Personen im Finanzministerium. Hahn leitet seit zwei Jahren das Bundeszentralamt für Steuern. Sie soll auf Thomas Steffen folgen, der im Oktober von Finanzminister Wolfgang Schäuble als Abteilungsleiter Europapolitik in das Ministerium geholt worden war. Das Ministerium lehnte eine Stellungnahme ab.

Die 56-jährige Hahn tritt ihr Amt in einer schwierigen Lage an: Die EU führt zusammen mit den Versicherungsaufsehern der Gemeinschaft gerade das in der Branche heftig umstrittene neue Regelwerk Solvency II ein, das ab 2013 europaweit einheitliche Vorschriften für Kapitalausstattung und Offenlegungen vorsieht. Außerdem mutiert Ceiops, die Arbeitsgemeinschaft der Versicherungsaufseher zu der EU-Aufsichtsbehörde Eiopa (European Insurance and Occupational Pensions Authority) mit Sitz in Frankfurt. Die Versicherungsbranche steht vor erheblichen Belastungsproben durch Niedrigzinsen und die neuen Aufsichtsregeln.

Hahn soll keine Erfahrungen mit der Versicherungsbranche haben. Das ist nicht ungewöhnlich: Auch Steffen war bei seinem Amtsantritt in dem Fach ein Neuling. Das Finanzministerium sucht für solche Posten Beamte mit Führungswissen und Durchsetzungsvermögen sowie – wenn möglich – mit internationaler Erfahrung. Die Branchenkenntnisse folgen dann in der praktischen Arbeit und sind in der BaFin ohnehin vertreten.

Steffen stand längere Zeit der Ceiops vor und hatte auch bei den Versicherern einen ausgezeichneten Ruf trotz Differenzen über Solvency II. Sein Weggang hat die Verunsicherung in der deutschen Assekuranz zu diesem Thema deutlich verstärkt. Hahn muss auch nach ihrem geplanten Amtsantritt 2011 rasch die Fachkapazitäten in ihrer Behörde hochfahren, weil Versicherer ihre internen Risikomodelle von der BaFin zertifizieren lassen müssen. Zurzeit gibt es einen Antragsstau, weil der BaFin qualifizierte Mitarbeiter fehlen.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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