Exporteure setzen stärker auf staatliche Bürgschaften

Die Hermes-Deckungen sind als finanzieller Schutzschirm gefragt. Sie musstenin der Krise den Rückzug der privaten Anbieter ausgleichen

Katrin Berkenkopf

Tickende Zeitbomben, unkalkulierbares Risiko, drohende Milliardenausfälle für den Bundeshaushalt – so böse orakelten selbst Finanzexperten Anfang 2009 über die Hermes-Bürgschaften. Doch das befürchtete Desaster blieb aus. Selbst in der tiefsten Krise machte die staatliche Ausfuhrdeckung für den Bund noch einen Gewinn. Für viele Unternehmen war sie wegen der Zurückhaltung der Kreditversicherer die einzige Möglichkeit, das Risiko ihrer Exporte abzusichern.

„Wir selbst hatten mit höheren Schäden gerechnet“, räumt René Andrich ein, Sprecher der Euler Hermes Kreditversicherung, die mit der Abwicklung der staatlichen Deckung beauftragt ist und der Namenspatron ist. Eigene Risiken übernimmt Euler Hermes in diesem Geschäftsfeld nicht. Allerdings könne es noch zu Zahlungsausfällen kommen, da gerade Großprojekte über viele Jahre abgerechnet werden, sagt Andrich.

Wer Kraftwerkskomponenten nach Indonesien liefert oder Turbinen für einen Offshore-Windpark baut, erhält am Ende womöglich kein Geld, weil der Kunde nicht zahlen kann. Dagegen kann er sich mit Hermes absichern. Wie bei einer privaten Versicherung richtet sich die Prämie dafür nach dem Risiko. Mit der Wirtschaftskrise stieg nicht nur das Risiko für Zahlungsunfähigkeit. Gleichzeitig verlangten die Banken selbst bei bonitätsstarken Abnehmern eine Bürgschaft, sonst gab es keinen Kredit.

„Die Hermes-Deckungen waren ein entscheidendes Instrument in der Krise. Dank dieser Maßnahmen konnten die deutschen Exporteure auch in schwierigen Zeiten noch ihre Kundenbeziehungen aufrechterhalten“, sagt Gregor Wolf vom Außenhandelsverband BGA. Im Jahr 2010 werden neu gewährte Bürgschaften die Rekordsumme von 27 bis 28 Mrd. Euro erreichen, sagt Hermes-Sprecher Andrich.

Das große Volumen spiegelt nicht nur das in der Krise gestiegene Interesse der Exporteure, ihre Lieferungen abzusichern. Hermes musste gleichzeitig auch Geschäft übernehmen, das eigentlich private Versicherer tragen: die Deckung kurzfristiger Risiken bei Lieferungen in EU- und OECD-Länder. Solche Versicherungen waren für die Exporteure in der Krise plötzlich nicht mehr zu bekommen. Im August 2009 sprang Hermes ein. Seitdem wurden rund 20 000 Deckungen mit einem Volumen von etwa 3 Mrd. Euro gewährt. „Insbesondere für unsere kleinen und mittelständischen Exporteure war das von der Bundesregierung zusätzlich zur Verfügung gestellte Absicherungsangebot unerlässlich“, ist Wirtschaftsminister Rainer Brüderle überzeugt. 85 Prozent der Anträge kamen aus dem Mittelstand.

Jetzt haben die Versicherer die Rückkehr zur Normalität verkündet. Sie wollen den größten Teil der Verträge wieder übernehmen. Für einige osteuropäische Staaten wird es aber auch 2011 noch staatliche Deckungen geben. „Es bleibt zu hoffen, dass die wirtschaftliche Situation in Ländern wie Portugal und Irland kein weiteres staatliches Eingreifen nötig macht“, sagt BGA-Hermes-Experte Wolf.

Politisch ist Hermes durchaus umstritten. Kritiker wünschen sich gerade bei Großprojekten strengere Maßstäbe an die Wahrung von Menschenrechten oder den Schutz der Umwelt. Zuletzt führte deshalb eine Bürgschaft für ein geplantes Atomkraftwerk in Brasilien zu Protesten.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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