Startschuss für Diekmanns Nachfolger

Für den Job als Allianz-Chef kommen zwei interne Kandidaten infrage – oderein Ausländer

Friederike Krieger

und Herbert Fromme, Köln

Gemessen an ihren Zahlen stehen die Versicherer 2010 viel besser da als erwartet. Doch von Entwarnung keine Spur: 2011 steht die Branche vor gewaltigen Herausforderungen. Die FTD fasst die Überraschungen des alten Jahres zusammen – und blickt voraus auf das, was 2011 wichtig wird.

Größte Überraschung 2010 Weil das Kerngeschäft unter Druck steht, zog die zum DAX-Konzern Munich Re gehörende Ergo-Gruppe die Reißleine und legte die nicht mehr konkurrenzfähige Victoria Lebensversicherung einfach still. Das ist die größte Abwicklung der deutschen Versicherungsgeschichte, die Victoria Leben hat mehr als zwei Millionen Kunden. Gleichzeitig gab die Führung trotz zahlreicher Loyalitätsschwüre die Marken Victoria und Hamburg-Mannheimer ganz auf und setzt jetzt vollständig auf den Namen Ergo. Herr Kaiser wurde in Rente geschickt, junge Damen und Herren, die versichert und nicht verunsichert werden wollen, traten in der großflächigen Ergo-Werbekampagne an seine Stelle.

Größte Überraschung 2011 Die ganze Branche fragt sich: Wer streckt als Erster die Waffen im neuen Jahr und sucht nach einem finanzstarken Partner zwecks Fusion? Es muss nicht unbedingt eine der kleineren Gesellschaften sein, denn gerade die mittelgroßen Firmen sind anfällig für die giftige Mischung aus niedrigen Zinsen, geringeren Preisen und steigenden Schäden in der Auto- und Gebäudeversicherung. Und auch die Reservekraft von Versicherern ist begrenzt.

Was 2011 wichtig wird Im April wollen EU und Versicherungsaufseher die Folterwerkzeuge auspacken: Dann legen sie die Parameter fest, unter denen das neue Aufsichtsregime Solvency II eingeführt wird. Damit werden Kapitalanforderungen an die Versicherer und ihre Offenlegungspflichten geregelt. Zurzeit läuft der letzte Praxistest. Die Branche ist entsetzt. Vor allem kleine Gesellschaften können die Anforderungen kaum stemmen. Aber auch große Anbieter fürchten, dass ihr Geschäftsmodell unter die Räder kommen könnte.

Wer 2011 wichtig wird Die neue Chefin der BaFin-Versicherungsaufsicht, Gabriele Hahn, übernimmt ihre Aufgabe in turbulenten Zeiten. Die deutsche Allfinanzaufsicht muss Solvency II mit einführen, die internen Risikomodelle der Versicherer zertifizieren und bei der einen oder anderen leicht angeschlagenen Gesellschaft Händchen halten. Auch bei der Allianz stehen Veränderungen an: Konzernchef Michael Diekmann verabschiedet sich in einigen Jahren in den Ruhestand, und 2011 dürfte die Vorentscheidung darüber fallen, wer ihm dereinst folgt. Zu den Anwärtern gehören Finanzvorstand Oliver Bäte und der neue Deutschlandchef Markus Rieß. Beide eint, dass sie lange als Berater bei McKinsey gearbeitet haben. Aber vielleicht wagt die Allianz auch die Revolution – und macht einen Ausländer zum Konzernchef.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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