Torus startet mit Kriegsdeckung

Angebot richtet sich an Reeder // Neue Gesellschaft gehörtEnergiespezialfonds

Herbert Fromme , Frankfurt

Die in Köln ansässige Torus Insurance Europe AG wird ab Januar als einer der ersten hiesigen Versicherer deutschen Reedern Kriegsdeckungen für ihre Schiffe anbieten. Zwar verkauft auch der Marktführer Allianz solche Policen, aber nur über seine internationalen Töchter in New York und London. „Mit unserem Schritt wird die Notwendigkeit für deutsche Reeder reduziert, sich auf ausländischen Märkten eine solche Deckung zu besorgen“, sagte Clive Tobin, Chef der Torus-Gruppe, im FTD-Interview.

Mit Kriegsdeckungen sichern Eigner ihre Fahrzeuge gegen Schäden durch Krieg, Terrorismus und Piraterie ab. Bei Schiffspolicen sind Kriegsrisiken meist ausgeschlossen. Reeder kaufen daher Zusatzschutz für Schiffe, die in Krisenregionen unterwegs sind, meistens in London. „Wir dagegen wollen aus Deutschland heraus aktiv sein,“ sagte Tobin. „Wir wollen die Entscheidungen, welche Risiken wir akzeptieren, vor Ort treffen, und auch Schäden vor Ort regeln.“

Torus ist in Bermuda beheimatet, die Hauptverwaltung sitzt in London. Das Unternehmen wurde erst 2008 gegründet. Tobin, bis Anfang 2008 Chef der XL Insurance, sieht sich mit Torus als Krisengewinner. „Unsere Geldgeber wollten sich eigentlich auf die Versicherung des Energiesektors konzentrieren“, sagte er. Das ist kein Wunder: Mehr als 800 Mio. Dollar (607 Mio. Euro) des Eigenkapitals von 991 Mio. Dollar stammen vom US-Investor First Reserve in Greenwich, Connecticut, der rund 12,5 Mrd. Dollar vor allem in der Energiebranche angelegt hat. „Aber als Torus Ende 2008 anfing, sorgte die Krise bei anderen Versicherern dafür, dass plötzlich unglaublich viele gute Leute auf dem Markt waren“, sagte Tobin. Jetzt sei Torus immer noch ein Spezialversicherer, aber mit seinen 400 Mitarbeitern nicht allein auf die Energiebranche fokussiert.

Die Firma ist 2010 vor allem durch Übernahmen und Zusammenlegungen rasant gewachsen. 2009 erzielte sie erst 265 Mio. Dollar Prämie. „2010 werden es 750 Mio. Dollar sein“, sagte Tobin.

First Reserve brachte sein bereits aktives Syndikat im Londoner Versicherungsmarkt Lloyd’s, in Torus ein. Außerdem kaufte die neue Gesellschaft die Glacier Insurance in Liechtenstein und Köln und übernahm vom Hedge-Fonds Citadel dessen Versicherungsgeschäft in Bermuda. „Wir werden im laufenden Jahr wohl eine schwarze Null erzielen“, sagte Tobin.

Tobin will sich nicht auf die Rolle als Mitspieler in Konsortien beschränken. „In unseren Spezialsegmenten wollen wir bald auch Risiken führen“, sagte er. 2011 will Torus mit Managerhaftpflichtdeckungen auf den europäischen Markt kommen. „Wir könnten mit unserer Mannschaft unglaublich schnell wachsen“, sagte Tobin. Aber das sei angesichts der weiterhin niedrigen Preise eher riskant. „Die größte Herausforderung für uns liegt darin, jetzt diszipliniert zu bleiben.“ Andererseits biete diese Marktlage auch weitere Übernahmechancen. „Wenn wir geeignete Ziele finden, gibt uns First Reserve das Geld.“

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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