Verbraucherschützer quälen Assekuranz mit neuen Klagen

Ratenzahlung am Pranger // Milliardenrisiko Rückforderungen

Herbert Fromme , Köln

Die Versicherer müssen im neuen Jahr mit heftigem Gegenwind der Verbraucherschützer rechnen. Große Sorgen macht sich die Assekuranz nicht nur wegen Gesetzesinitiativen, die in Brüssel und Berlin ausgeheckt werden, sondern auch wegen zahlreicher Klagen, die die Verbraucherzentralen und Verbände angeschoben haben.

Aktuell zum Beispiel die Klagen gegen Prämienzahlungen auf Raten, über die 2011 entschieden werden dürften. Versicherungsprämien sind meist jährlich im Voraus fällig. Kunden zahlen ihre Beiträge zur Lebens- oder Autoversicherung aber monatlich, viertel- oder halbjährlich. Dafür verlangen viele Versicherer saftige Aufschläge – de facto einen Zins.

Ihn aber weisen die Anbieter nicht oder zu niedrig aus, behaupten Verbraucherschützer. „Da ist von drei oder fünf Prozent die Rede, der effektive Jahreszins liegt aber bei 13 oder 14 Prozent“, sagt Edda Castelló von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Wäre das Verfahren transparent, sagt Castelló, so könnten sich Kunden fragen, ob es nicht günstiger ist, einen Kredit bei einer Bank aufzunehmen, um damit die Versicherung jährlich zu zahlen. Mit der fehlerhaften Angabe verstoßen die Versicherer nach Castellós Ansicht gegen das Verbraucherkreditgesetz und EU-Vorschriften.

Die Verbraucherzentrale Hamburg hat bereits mehrere Gesellschaften abgemahnt, endgültige Entscheidungen gibt es aber noch nicht. Sollten die Gerichte gegen die Versicherungsbranche urteilen, könnte das Ansprüche im Milliardenbereich auslösen. Die Branche verweist auf Rechtsgutachten, die ihre Auffassung stützen.

Nach Ansicht der Hamburger Verbraucherschützer können Kunden alle Zinsen, die vier Prozent übersteigen, zurückfordern. Zudem dürften sie Verträge, die nach 2002 geschlossen wurden, rückgängig machen – die Zeitbombe Ratenzahlung tickt.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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