Tchibo verkauft keine Policen mehr

Kaffeeröster beendet seine Kooperation mit Asstel

Anja Krüger , Köln

Der Kaffeekonzern Tchibo will keine Verträge des Direktversicherers Asstel mehr vertreiben. Der Konzern begründet den Ausstieg damit, dass er sich zurzeit auf das Kerngeschäft mit Kaffee und Non-Food sowie Dienstleistungen mit hohem Wachstumspotenzial wie Energie, Mobilfunk und Reisen konzentrieren will.

Die Entscheidung hängt nach Angaben beider Seiten nicht mit einem Verfahren vor dem Hamburger Oberlandesgericht zusammen, bei dem es um den Verkauf von Policen über die Tchibo-Internetseiten geht. „Im Gegenteil, wir führen die Sache zu Ende, weil wir eine grundsätzliche Klärung wollen“, sagte ein Tchibo-Sprecher.

Tchibo hatte sieben Jahre lang über seine Internetseiten Policen der Gothaer-Tochter Asstel vertrieben. Allerdings: In den Filialen wurden die Verträge zwar beworben, aber nicht verkauft. Bei dem Hamburger Verfahren geht es deshalb um die Frage, ob der Kaffeeröster als Versicherungsvermittler einzustufen ist – was das Landgericht Hamburg in der ersten Instanz bejaht hat. „Wir sehen uns aber als Tippgeber“, sagte der Tchibo-Sprecher. Mit diesem Status sind so gut wie keine Pflichten gegenüber dem Kunden verbunden – Versicherungsvermittler dagegen haben Informationspflichten und haften auch.

Asstel spielt das Ende der Kooperation herunter. „Das tut uns nicht weh“, sagte Vorstand Mathias Bühring-Uhle. Weniger als zehn Prozent des Neugeschäfts seien über Tchibo gekommen. Neue Kooperationen würden den Effekt mehr als ausgleichen. Asstel verkauft neuerdings auch über die Internetapotheke DocMorris und Onlinefilialen von Saturn. Außerdem werde der Direktversicherer bald die Zusammenarbeit mit einer Bank vereinbaren, kündigte er an.

Immer wieder versuchen Versicherer in Deutschland, den Einzelhandel als Vertriebsweg zu gewinnen. Der Rechtsschutzversicherer Arag hat vor einigen Jahren ein umstrittenes Pilotprojekt über den Discounter Penny aufgelegt. Die Signal Iduna konnte ihre Pläne, über Aldi zu verkaufen, nicht umsetzen. Auch der Versuch der HUK-Coburg, eine Vertriebskooperation mit Schlecker aufzubauen, scheiterte. Die Versicherer und Einzelhändler kämpfen nicht nur mit strengen Aufsichtsregeln, sondern auch gegen traditionelle Vermittler, die um ihr Geschäft fürchten.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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