Axa wirft kleinen Schatten auf BNP

Abschreibung schmälert Gewinn der französischen Großbank // Versicherererhöht Dividende

Rolf Lebert, Frankfurt,

und Ilse Schlingensiepen, Köln

Das Gewinnwachstum der französischen Großbank BNP Paribas ist im vierten Quartal 2010 von einer hohen Abschreibung auf den Bestand an Aktien des Versicherungskonzerns Axa gebremst worden. Die als langfristiges Investment eingestuften Axa-Papiere fielen in der Finanzkrise mehrfach unter ihren Buchwert. Es war daher aus Sicht des BNP-Managements aus Vorsichtsgründen angebracht, auf Basis des Jahresendkurses von 12,45 Euro 534 Mio. Euro auf die Beteiligung abzuschreiben. Da sich der Kurs der Axa-Aktie bis Ende Januar auf 15,46 Euro erholte, entstand bis dahin eine unrealisierte Kursgewinnreserve von 364 Mio. Euro.

Gleichzeitig kam es im Zusammenhang mit der Übernahme von Fortis zu einer beschleunigten Amortisation von Kosten, die in der Bilanzierung zum Zeitwert (Fair Value) zu einem positiven Effekt von 176 Mio. Euro führte. Per saldo betrugen die Abschreibungen im vierten Quartal damit 358 Mio. Euro. Der den Aktionären zustehende Quartalsgewinn nahm gleichwohl um 13,6 Prozent auf 1,5 Mrd. Euro zu.

Im Gesamtjahr 2010 steigerte der Konzern nach einem Abbau der Risikovorsorge um fast die Hälfte den Reingewinn um 34,5 Prozent auf 7,8 Mrd. Euro. Damit liegt er im Gewinnranking der Banken auf dem europäischen Kontinent den zweiten Platz hinter der spanischen Banco Santander, die netto 8,2 Mrd. Euro verdient hatte. Die harte Kernkapitalquote der BNP Paribas wurde mit 9,2 Prozent ausgewiesen.

Der Axa-Konzern kündigte am Donnerstag an, er werde trotz eines Gewinnrückgangs im vergangenen Jahr die Dividende um 25 Prozent auf 0,69 Euro erhöhen. Axa erzielte nach Angaben von Vorstandschef Henri de Castries in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld deutliche Fortschritte. „2011 sollte Axa von den verbesserten makroökonomischen Aussichten profitieren“, sagte er. Während 2010 vor allem von strategischen Entscheidungen geprägt gewesen sei, wolle Axa 2011 wieder verstärkt auf profitables Wachstum setzen.

Der nach der Allianz zweitgrößte europäische Versicherer hatte 2010 den größten Teil seines britischen Lebensversicherungsgeschäfts an die Investorengruppe Resolution verkauft, weil es nicht ertragreich und wachstumsstark genug war. Außerdem stellte der Konzern 2010 die Weichen für einen deutlichen Ausbau seines Asiengeschäfts.

Die Transaktion in Großbritannien war der wesentliche Grund für den Gewinnrückgang. Sie hat das Ergebnis mit 1,6 Mrd. Euro belastet. Der Nettogewinn fiel um 26 Prozent auf 2,7 Mrd. Euro. Ohne diesen Effekt wäre das Ergebnis um 18 Prozent auf 4,4 Mrd. Euro gestiegen, teilte der Versicherer mit.

Die weltweiten Prämieneinnahmen gingen im vergangenen Jahr leicht um ein Prozent auf 90,97 Mrd. Euro zurück. Damit blieb die von de Castries für 2010 angekündigte Wende aus. Bereits 2009 hatte Axa ein Umsatzminus von 3,2 Prozent verbucht. In der Lebensversicherung fielen die Prämieneinnahmen um 2,5 Prozent auf 56,92 Mrd. Euro. Das Neugeschäft ging um 2,4 Prozent auf 5,78 Mrd. Euro zurück.

An der Börse gaben BNP Paribas um 0,3 Prozent auf 58,77 Euro nach, Axa fielen sogar um 3,3 Prozent auf 15,37 Euro.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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