Beluga-Pleite führt zu Dominoeffekt

Obergesellschaft der Reederei meldet auch Insolvenz an

Herbert Fromme , Köln

Die Obergesellschaft der Schwergutreederei Beluga Shipping hat am Donnerstag Insolvenz angemeldet. Damit folgt sie ihrer Tochter Beluga Chartering, die am Mittwoch die Zahlungsunfähigkeit verkünden musste. Beide Firmen begründeten die Pleite mit „erheblichen Unregelmäßigkeiten“ bei Umsatz und Liquidität. Insolvenzverwalter Edgar Grönda geht dennoch davon aus, dass zumindest Teile der Gruppe gerettet werden können.

Beluga Shipping ist mit mehr als 220 Mitarbeitern die operative Obergesellschaft. Die darüber liegende Holding Beluga Group hat bislang keinen Antrag auf Insolvenz gestellt.

In mehreren Belegschaftsversammlungen sagte der Insolvenzverwalter am Donnerstag, er hätte das Mandat nicht angenommen, wenn er keine Chance für das Überleben sehen würde. Die Beluga-Gruppe beschäftigt über 500 Mitarbeiter in Bremen.

Ein Sprecher erklärte, Beluga verfüge noch über 20 Schiffe und mehr Transportaufträge, als diese Schiffe befördern können. In dieser Woche hatten Schiffsfonds und andere Eigner rund 50 an Beluga vermietete Schiffe zurückgezogen, weil Zahlungen ausstanden und Beluga-Großaktionär Oaktree hohe finanzielle Konzessionen von ihnen verlangt hatte.

Beluga war bislang Weltmarktführer beim Transport sehr schwerer Teile wie Industrieanlagen über See. Die Firma war wegen Auftragsmangels in der Wirtschaftskrise in Probleme geraten. Sie hatte zeitgleich eine Reihe von Schiffen auf eigene Rechnung bestellt, die sie nur mit Mühe finanzieren konnte. 2010 fand Gründer Niels Stolberg in dem US-Investor Oaktree einen Partner, der dringend benötigte Liquidität einschoss.

Doch vor zwei Wochen übernahm nach größeren Auseinandersetzungen Oaktree die Macht bei Beluga und zeigte Stolberg wegen Betrugs an. Die Amerikaner halten 49,5 Prozent, Stolberg 48 Prozent. Die restlichen 2,5 Prozent liegen bei einer Holdinggesellschaft, die möglicherweise Oaktree nahe steht.

Oaktree hat frisches Geld bei Beluga vor allem als Darlehen eingebracht, nicht als Eigenkapital. Das Unternehmen dürfte als großer Gläubiger einen bedeutenden Einfluss auf das weitere Verfahren haben.

Eine durch die Insolvenz weitgehend von Altlasten befreite Schwerlastreederei könnte auch international durchaus attraktiv sein. Gelingt es Oaktree, die Kontrolle zu erreichen und sich mit Banken und anderen Gläubigern zu einigen, wäre in einigen Jahren der Weg zu einem lukrativen Verkauf frei.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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