Finanzvertrieb OVB steckt in der Krise fest

Unternehmen erleidet zweiten Gewinneinbruch in Folge

Anja Krüger , Köln

Der Finanzvertrieb OVB schafft die Trendwende nicht. Das Kölner Unternehmen meldete gestern zum zweiten Mal in Folge einen drastischen Gewinneinbruch und sinkende Umsätze. Offenbar haben die Provisionserhöhungen bislang nicht gegriffen, mit denen der Vertrieb die Zahl der Verkäufer erhöhen wollte. Für dieses Jahr erwarte OVB aber wieder Umsatzwachstum, sagte eine Sprecherin: „Wir wollen in Deutschland im einstelligen Bereich wachsen.“

Für Finanzvertriebe ist die Zahl der Verkäufer eine wichtige Größe, weil von ihr direkt das mögliche Umsatzvolumen abhängt. Um bestehende Vertreter zu binden und neue zu gewinnen, hatte OVB 2010 die Beteiligung der Vermittler an den Provisionen von 60 Prozent auf 70 Prozent angehoben. 2009 hatte OVB 198 Vertreter verloren. Im vergangenen Jahr sank ihre Zahl weiter, in Deutschland um 41 auf 1282. Das gehe ausschließlich auf die nur noch geringen geschäftlichen Aktivitäten der Zweitmarkentochter Eurenta zurück, sagte die Sprecherin. „Die Zahlen für OVB sind stabil.“ Die Erhöhung der Provisionen wirke sich aus. „Wir haben 80 Mitarbeiter im 1. Quartal in der Ausbildung“, sagte sie. Bei der Gewinnung neuer Mitarbeiter wirkten sich „wettbewerbsfähige“ Provisionen aus.

An dem börsennotierten Vertrieb sind die Versicherer Signal Iduna, Bâloise und Generali beteiligt. OVB vertreibt für sie und für andere Verträge und lebt von den Provisionen. Der Vertrieb ist in 14 Märkten aktiv.

In Deutschland ist das für die Lebensversicherer lukrative Geschäft mit hohen Einmalbeiträgen an der Verkaufsorganisation vorbeigegangen. Hier sanken die Provisionseinnahmen um 7,3 Prozent auf 71,4 Mio. Euro, in Süd- und Westeuropa sogar um 18,9 Prozent auf 32,7 Mio. Euro. Dagegen hat sich OVB in Mittel- und Osteuropa wieder gefangen, hier legten die Einnahmen um 10,6 Prozent auf 93,2 Mio. Euro zu. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern sank um 50 Prozent auf 4,8 Mio. Euro, der Konzerngewinn sogar um 54,5 Prozent auf 4,0 Mio. Euro.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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