Munich Re kippt Gewinnziel

Beben und Tsunami in Japan kosten 1,5 Mrd. Euro

Herbert Fromme , Köln

Der weltweit größte Rückversicherer Munich Re rechnet mit Schäden von 1,5 Mrd. Euro aus der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe in Japan. Obwohl diese Schätzung unterhalb der Marktbefürchtungen liegt, kann das Unternehmen nach eigenen Angaben sein Gewinnziel von 2,4 Mrd. Euro für das Jahr 2011 nicht mehr erreichen. Zuvor wurde es schon von Schäden aus dem Erdbeben in Neuseeland sowie der Überflutung und dem Zyklon Yasi in Australien getroffen. Die Gesamtbelastung aus Naturkatastrophen liegt allein im ersten Quartal bei mehr als 2,5 Mrd. Euro.

Der wahrscheinliche Schadenaufwand der Munich Re aus den Japan-Ereignissen liegt deutlich über dem des Rivalen Swiss Re, der eine Belastung von 844 Mio. Euro angekündigt hatte. Beide Werte beziffern den Aufwand nach Erstattungen durch andere Rückversicherer, bei denen sich Munich Re und Swiss Re ihrerseits gegen Größtschäden abgesichert haben.

Munich Re hatte 2010 2,43 Mrd. Euro verdient und wollte den Wert 2011 etwa halten. Das wird jetzt nicht mehr möglich sein. Dennoch sehen die Rückversicherer mittelfristig Katastrophendeckungen als gutes Geschäft an. Jetzt dürften die Preise für den Schutz deutlich ansteigen.

Munich Re erklärte, die Schätzung beruhe ausschließlich auf Modellberechnungen. „Wegen des Ausmaßes der Zerstörungen, weiterer möglicher Nachbeben und schwieriger Aufräumarbeiten wird es noch viele Wochen dauern, bis die Schäden erfasst sind und die Schadensmeldungen der japanischen Erstversicherer vorliegen“, teilte das Unternehmen mit.

Erstversicherer sind Gesellschaften, die Endkunden absichern, sie haben sich gegen Größtschäden rückversichert. Viele Rückdeckungen greifen aber erst, wenn der einzelne Erstversicherer eine sehr hohe Schadensumme erreicht hat. Deshalb werde es sich bei vielen Verträgen erst spät herausstellen, ob überhaupt und wie stark die Rückversicherer einen Teil der Schäden tragen müssen. Außerdem sei unsicher, wie sich die Betriebsunterbrechungen in der japanischen Industrie auf internationale Warenströme und Lieferketten auswirken. Möglicherweise müssen Versicherer und Rückversicherer auch für Produktionsunterbrechungen in Eu ropa oder den USA zahlen, wenn Teile aus Japan fehlen.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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