Nur fürs schmale Portemonnaie

Kautionspolicen sollen die hohen Mietsicherheiten ersetzen. Sie eignen sichjedoch allenfalls für Kunden, die finanziell schwach auf der Brust sind

Anne-Christin Gröger

und Herbert Fromme

Markus Majowski will umziehen. Das kann ganz schön ins Geld gehen. Trotzdem will er sich, so verkündet er in einem Werbespot der Deutschen Kautionskasse, ein neues Sofa leisten. Die Kaution will sich der Schauspieler sparen, der auch schon für den Geflügelverarbeiter Wiesenhof, die Telekom und die PDS warb. Stattdessen zahlt er wenige Euro monatlich in eine Kautionsversicherung ein.

Das Prinzip scheint auf den ersten Blick einleuchtend: Statt drei Monatsmieten auf einem Kautionskonto zu hinterlegen, schließt der Mieter eine Police ab. Dafür zahlt er jährlich etwa fünf Prozent der Kaution als Prämie, also wesentlich weniger als die volle Kaution. Anbieter wie die Kautionskasse oder Eurokaution berechnen zudem noch Abschluss- und Verwaltungsgebühren. Kann der Bewohner seine Miete nicht zahlen, springt die Versicherung ein.

Rund 28 Mrd. Euro liegen derzeit auf deutschen Sparbüchern und Mietkautionskonten, schätzt Ulrich Grabowski, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Kautionskasse. Diesen Markt will er erobern. Die Kautionskasse und ihre Konkurrenten Eurokaution und Kautionsfrei.de vertreiben die Policen über Hausverwaltungen und Makler, übernehmen aber kein Risiko. Im Schadenfall springt ein Versicherer ein, mit dem die Anbieter zusammenarbeiten. Bei der Kautionskasse ist das der US-Versicherer Chartis, bei Kautionsfrei.de übernimmt die R+V die Risiken.

Der Vorteil für Vermieter: Vor dem Abschluss führt der Anbieter einen Bonitätscheck bei der Schufa durch. „Der Vermieter spart sich eine eigene Überprüfung des künftigen Mieters“, sagt Grabowski. Zudem verringere sich der Verwaltungsaufwand. „Wenn uns der Vermieter einen Schaden meldet, zahlen wir sofort und ohne lange juristische Streitereien.“

Doch passen die Policen nicht zu jedem, sagt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund in Berlin. „Das Angebot eignet sich höchstens für klamme Kunden.“ Denn wer einen Kredit für die Kaution aufnehmen muss, ist mit den fünf Prozent Versicherungsprämie besser dran als mit den Zinsen für den Dispo. Das sieht auch Grabowski so: „Wer das Geld übrig hat, sollte ein Sparbuch für die Kaution nehmen.“

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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