Solvency II bedroht Betriebsrenten

Warnung vor Belastung für Pensionskassen // DAX-Konzerne bei Altersversorgungim Plan

Anja Krüger , Frankfurt

Auf die Pensionskassen deutscher Unternehmen kommen hohe Belastungen zu, sollten die geplanten Aufsichts- und Kapitalregeln für Versicherer (Solvency II) auch für sie gelten. „Wenn Solvency II diese Einrichtungen trifft, wird das unangenehme Folgen haben“, sagte Alfred Gohdes vom Unternehmensberater Towers Watson. Die Pensionskassen müssten mehr Eigenkapital aufbringen. „Das kostet Liquidität“, sagte er. Zahlen wollte er nicht nennen.

Mit Solvency II will die EU drastische Vorgaben zum Risikomanagement für die Assekuranz einführen. Damit soll die Gefahr minimiert werden, dass ein Versicherer pleitegeht und Ansprüche von Kunden etwa zur Altersvorsorge nicht bedienen kann. Vorgesehen sind etwa schärfere Vorschriften für das Eigenkapital. Noch betreffe Solvency II die betriebliche Altersversorgung der Unternehmen nicht, sagte Gohdes. Im Grünbuch der EU-Kommission zur Sicherung der europäischen Rentensysteme ist das aber vorgesehen. „Ende des Jahres 2011 wissen wir mehr“, sagte Gohdes.

Er ist dagegen, Solvency II auf Pensionskassen auszuweiten. „Wir meinen, dass es sich um ein ganz anderes Geschäft handelt“, sagte er. Ein Unternehmen sei mit seiner Pensionskasse nicht am Markt tätig, sondern versichere nur seine eigenen Mitarbeiter. Vor allem stelle die Firma bei Bedarf Kapital zur Verfügung.

Solvency ist nicht die einzige Belastung, die Firmen mit Betriebsrenten droht. Änderungen der internationalen Bilanzierungsvorschriften würden die DAX-Konzerne insgesamt 1 Mrd. Euro kosten, sagte Gohdes. Auf ein Drittel der Konzerne kommt eine Belastung des Eigenkapitals zu.

Die Pensionswerke der DAX-Unternehmen haben die Finanzkrise gut überstanden. „Sie sind voll auf Kurs“, sagte Thomas Jaspers, Experte für betriebliche Altersversorgung bei Towers Watson. Die Verpflichtungen der DAX-Konzerne gegenüber heutigen und künftigen Betriebsrentnern stiegen 2010 zwar um rund zwölf Prozent auf 251 Mrd. Euro, was auch auf das Sinken des Rechnungszinses zur Ermittlung von Ansprüchen zurückgeht. Dieses Plus wurde aber durch die stark wachsenden Pensionsvermögen kompensiert. Das für Betriebsrenten vorgesehene Vermögen der DAX-Konzerne stieg gegen die Erwartungen der Unternehmen um 14 Prozent auf 165 Mrd. Euro. Der Grad der Ausfinanzierung legte geringfügig von 65 Prozent auf 66 Prozent zu.

Die höchsten Verpflichtungen hat Siemens mit 29,7 Mrd. Euro, gefolgt von Volkswagen mit 19,9 Mrd. Euro und BASF und Daimler mit je 17,7 Mrd. Euro. Siemens verfügt mit 23,3 Mrd. Euro auch über das höchste Pensionsvermögen, danach kommen BASF mit 15,2 Mrd. Euro und RWE mit 13,8 Mrd. Euro.

Insgesamt zahlten die DAX-Konzerne im vergangenen Jahr 11,4 Mrd. Euro an Betriebsrentner, nach 11,1 Mrd. Euro 2009. Die Erträge aus Kapitalanlagen lagen bei 12,4 Mrd. Euro, nach 12,3 Mrd. Euro. Dabei hat sich die Struktur der Pensionsvermögen kaum geändert: Bei den inländischen und ausländischen Vermögen dominieren mit 60 Prozent Anleihen, 25 Prozent sind Aktieninvestments. Damit legen die DAX-Konzerne verhältnismäßig wenig in Aktien an. Im weltweiten Durchschnitt liegt die Aktienquote bei Pensionsvermögen mit 47 Prozent fast doppelt so hoch wie hierzulande.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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