Swiss Life bringt AWD auf Vordermann

Schweizer Versicherungskonzern profitiert von Sparprogramm // AWD schreibtGewinn // Mitarbeiterschwund nicht gestoppt

Tobias Bayer, Zürich,

und Anja Krüger, Köln

Swiss Life bekommt seine Probleme nach der Übernahme des deutschen Finanzvertriebs AWD in den Griff. Dank eines Sparprogramms steigerte der Schweizer Versicherungskonzern den Betriebsgewinn 2010 gegenüber dem Vorjahr um 23 Prozent auf 694 Mio. Franken (540 Mio. Euro).

„Das ist ein Etappensieg für uns“, sagte Swiss-Life-Vorstandschef Bruno Pfister gestern auf der Bilanzpressekonferenz in Zürich. Die Börse nahm das Ergebnis skeptisch auf. Die Aktie fiel gestern um 3,2 Prozent.

Für die von Carsten Maschmeyer gegründete Gesellschaft AWD hatte Swiss Life im Jahr 2008 rund 1,2 Mrd. Euro hingeblättert. Der hohe Kaufpreis rechnete sich bisher nicht. Im Gegenteil: 2008 und 2009 wies AWD einen Verlust aus. Zudem muss sich der Vertrieb wegen des Vorwurfs der Falschberatung in Deutschland und Österreich diverser Klagen erwehren. Die Schwierigkeiten mit AWD und die niedrigen Kapitalmarktzinsen, die es den Versicherern erschweren, die Garantien für Kunden zu erwirtschaften, stürzten Swiss Life in Turbulenzen.

Die Schweizer reagierten auf die Krise mit dem „Milestone“-Programm. Bis 2012 sollen die Kosten gegenüber 2008 um 350 bis 400 Mio. Franken gedrückt werden. 311 Mio. Franken wurden bisher eingespart. Das erklärt 80 Prozent der Ergebnisveränderung 2010.

Auch AWD schreibt aufgrund des strikten Sparkurses wieder schwarze Zahlen. Der operative Gewinn lag 2010 bei 49,1 Mio. Euro. „Die Partnerschaft mit AWD hat sich gut entwickelt“, sagte Swiss-Life-Finanzchef Thomas Buess. Der durch AWD generierte Anteil am Neugeschäft betrage nun insgesamt 14 Prozent.

Im Kernmarkt Deutschland hapert es jedoch weiterhin. Lebensversicherer konnten 2010 nur bei Verträgen gegen Einmalbeitrag punkten. Dieses Geschäft ging an AWD vorbei. Für Swiss Life setzte der Vertrieb vor allem Berufsunfähigkeitspolicen ab. Der Umsatz mit den Gesellschaften AWD Deutschland, Horbach, Tecis und Proventus kletterte nur um 2,2 Prozent auf 352 Mio. Euro. Schwierigkeiten hat AWD bei der Rekrutierung von Verkäufern. Ihre Zahl sank von 5342 auf 5292. 2008 hatte AWD nach der Übernahme von Proventus noch 6700 Vertreter.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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