Factoring-Branche im Aufwind

Die Assekuranz profitiert davon, dass das Geschäft mit offenen Rechnungenanzieht

Anne-Christin Gröger

Die Factoringbranche hat die Krise überwunden, das Geschäft mit offenen Rechnungen boomt. Vom Aufschwung profitieren auch die Kreditversicherer.

Beim Factoring verkaufen Unternehmen ihre Geldforderungen aus Warenlieferungen oder Dienstleistungen an einen spezialisierten Anbieter. Dafür erhält das Unternehmen den größten Teil des Geldes meist sofort, den Rest, wenn der Schuldner gezahlt hat. Die Anbieter berechnen dafür eine Grundgebühr, die sich an der Höhe der Forderung bemisst, und einen Zins auf den vorgeschossenen Rechnungsbetrag.

Der Vorteil für das Unternehmen: Es muss nicht lange darauf warten, dass der Geschäftspartner die Rechnungen bezahlt, sondern hat das Geld gleich. Damit sie nicht auf den übernommenen Forderungen sitzen bleiben, schließen die Factoringgesellschaften bei Kreditversicherern eine spezielle Police ab.

In der Finanzkrise hat die Factoringbranche schwer gelitten. Zum einen fehlte den Gesellschaften Liquidität, um Außenstände übernehmen zu können. Zum anderen konnten sie viele Geschäfte nicht machen, weil die Kreditversicherer Deckungen verweigerten. „Die Unternehmen hatten damit zu kämpfen, dass die Kreditversicherer die Beträge kürzten, bis zu denen sie den Ausfall von Forderungen versichern“, sagt Klaus Dengler vom Versicherungsmakler Aon. Mit dem Anziehen der Konjunktur hat sich das Blatt gewendet. Die Kreditversicherer übernehmen wieder großzügiger Risiken.

„Der wirtschaftliche Aufschwung führt dazu, dass Unternehmen mehr Liquidität benötigen“, sagt Franz Michel, Vorstand bei Coface, der als einziger Kreditversicherer Factoringverträge über eine Tochter selbst anbietet. Viele Firmen brauchen gerade jetzt mehr Kapital, um die gute Konjunktur nutzen zu können.

Auch Anbieter, die Factoring nicht selbst betreiben, sondern nur Verträge vermitteln, bemerken eine steigende Nachfrage. Firmen suchen zunehmend nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten zu Krediten – eine Erfahrung aus der Krise, als Banken nur sehr eingeschränkt Geld verliehen haben.

Doch nicht nur deshalb ist die Liquiditätsgewinnung durch den Verkauf von Außenständen für Unternehmen wieder attraktiv geworden. „Factoring ist auch ein Instrument, um den Vertrieb auszubauen“, sagt Carlo Ries, Geschäftsführer beim Versicherungsmakler Südvers. Firmen, die ihre Rechnungen verkaufen, könnten ihren Abnehmern längere Zahlungsfristen einräumen und für dieses Zugeständnis im Gegenzug größere Liefermengen vereinbaren. „Damit bleiben Unternehmen flexibel.“

Besonders umkämpft als Kunden sind große mittelständische Unternehmen mit einem Jahresumsatz von bis zu 500 Mio. Euro. Aber auch kleinere Gesellschaften ab 5 Mio. Euro Umsatz rücken ins Visier. „Dieses Segment wächst bei uns enorm“, sagt Michel. „Die Konkurrenz ist weniger stark, das Kundenpotenzial noch groß.“ Er ist überzeugt, dass der Trend zum Factoring weiter anhalten wird. Grund dafür seien die günstigen Rahmenbedingungen. „Die strengen Regulierungsbestimmungen wie Solvency II oder Basel III werden dazu führen, dass Liquidität am Markt weiter knapp bleibt und die Unternehmen weiterhin nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten suchen“, sagt er.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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