Generali vor schwerer Aufgabe

Konzern will Gewinn 2011 auf Vorjahresniveau halten // Höhere Zahlung anTriester Mutter

Herbert Fromme , Köln

Generali Deutschland setzt sich ehrgeizige Ziele für 2011. Der Versicherer will rund 400 Mio. Euro Gewinn erzielen. Zwar hat er das auch 2010 geschafft und starke 402 Mio. Euro verdient, ein Plus von 60 Mio. Euro. Aber dabei half der gewinnbringende Verkauf von Wertpapieren.

Außerdem musste Finanzchef Torsten Utecht viel weniger abschreiben als im Krisenjahr 2009. Zusammen sorgten diese beiden Faktoren für den kräftigen Zuwachs der Kapitalerträge, die zum größten Teil den Lebensversicherungskunden zugutekommen, aber auch den Aktionären nutzen. Sie stiegen von 3 Mrd. Euro auf 3,9 Mrd. Euro. „Diese Realisierungen sind nicht so schnell wieder zu erzielen“, warnte Konzernchef Dietmar Meister mit Blick auf 2011.

Mit dem Ergebnis für 2010 dürfte nicht nur Meister zufrieden sein, sondern auch die italienische Mutter in Triest. Sie hält 93 Prozent an der deutschen Gruppe, der Rest liegt im Streubesitz. Die Generali Deutschland schüttet 201 Mio. Euro als Gewinn aus, nach 156 Mio. Euro. Das kommt in Triest gut an. Fließen die Gewinne, lässt der Mehrheitsgesellschafter die deutsche Tochter im Wesentlichen unbehelligt arbeiten. Ohnehin haben die Herren in der Triester Führung zurzeit andere Sorgen: Sie sind in einen heftigen Machtkampf im Verwaltungsrat verwickelt. „Es ist nicht angenehm zu lesen, dass man sich dort streitet“, sagte Meister dazu.

Mit 16,3 Mrd. Euro Prämie sieht sich Generali als die Nummer zwei im deutschen Versicherungsmarkt mit Endkunden – deutlich kleiner als die Allianz mit 28,5 Mrd. Euro, aber vor Ergo mit 14,4 Mrd. Euro.

Der kräftige Zuwachs von 9,6 Prozent im Umsatz geht vor allem auf das umstrittene Geschäft mit Einmalbeiträgen zurück. Mit diesen bankähnlichen Verträgen sammelten die Versicherer der Generali 2010 satte 3 Mrd. Euro bei Anlegern ein, verglichen mit 1,6 Mrd. Euro 2009.

Der Konzern ist in Deutschland mit den Marken Generali Versicherungen, Aachen-Münchener, Central, Advocard und Cosmos am Start, die einstige Marke Volksfürsorge lebt nur noch als Vertriebsorganisation. Nach dem Verlust der Commerzbank als Kooperationspartner – sie verkauft seit September 2010 Allianz-Policen – hat der Versicherer eine große Lücke im Vertriebsmix. „Uns fehlt der große Bankvertrieb“, beklagte Meister.

Umso größer wird das Gewicht der Deutschen Vermögensberatung AG (DVAG), an der Generali knapp 40 Prozent hält. Ihr Chef Reinfried Pohl sitzt nicht nur als einziger Deutscher im Verwaltungsrat der Triester Mutter, er hat auch sehr viel Einfluss im deutschen Konzern. Immerhin sorgt Pohl mit seinen Truppen für 40 Prozent des Neugeschäfts in der Lebens- und Krankenversicherung.

Finanzchef Utecht hält die Kapitalanlagen der deutschen Generali für weitgehend krisensicher. Von den 78 Mrd. Euro liegen 64 Mrd. Euro oder 82 Prozent in festverzinslichen Papieren, nur 4,7 Prozent in Aktien. Das will Utecht noch weiter abbauen.

An Staatsanleihen hält die Gruppe 29 Mrd. Euro, darunter 3 Mrd. Euro aus Portugal, Irland, Griechenland und Spanien. Doppelt so hoch ist das Engagement in Italien. Das beunruhigt Utecht nicht. Selbst eine Umstrukturierung griechischer Anleihen mit einem Abschlag von 20 Prozent könne die Generali stemmen. Im Falle Italien würde es aber schwieriger.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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