Roland-Eigner holen sich Umsatz in die eigenen Bücher

Rechtsschutzspezialist gibt Prämie als Rückversicherung ab

Herbert Fromme , Köln

Der Kölner Rechtsschutzversicherer Roland wird künftig bis zu 90 Prozent der Prämie, die ihm Vertreter von Versicherern aus seinem Aktionärskreis einbringen, auf dem Weg der Rückversicherung an diese Gesellschaften weiterleiten. Darauf haben sich nach FTD-Informationen Aktionäre und Management geeinigt. Für Roland bedeutet der Schritt eine spürbare Einschränkung der Unabhängigkeit.

Damit herrscht zumindest vorübergehend Ruhe in der Frage, wie die Anteilseigner an Deutschlands viertgrößtem Rechtsschutzversicherer künftig ihre Interessen organisieren. Die Eigentümerstruktur bei Roland ist ein Überbleibsel aus der Zeit, in der Versicherer zahlreiche Gemeinschaftsunternehmen in Spezialsparten wie Rechtsschutz unterhielten, weil es für jeden Einzelnen zu aufwendig war, sie allein zu betreiben.

Größter Aktionär bei Roland ist Axa Deutschland mit 41 Prozent, gefolgt von Gothaer mit 29 Prozent, Bâloise mit 15 Prozent und Barmenia mit zehn Prozent. Axa ist eigentlich aus Prinzip gegen solche Gemeinschaftsunternehmen und will immer 100 Prozent.

Es kann aber den Zustand bei der mit der einstigen Colonia-Übernahme ererbten Beteiligung nicht einfach ändern. Die Roland-Satzung verbietet einem Aktionär die Mehrheit. Die Auflösung würde ein gut funktionierendes Unternehmen zerstören.

Unbefriedigend für Axa, Gothaer und andere Aktionäre: Der von ihren Vertretern mit Rechtsschutzpolicen erzielte Umsatz und die technischen Gewinne gehen nicht in die eigenen Zahlen ein, sie partizipieren nur über die Dividende. Das ist ihnen zu wenig.

Deshalb gilt künftig: Wenn Axa- oder Gothaer-Vertreter Roland-Policen verkaufen, zahlen die Kunden ihre Prämie an Roland. Der Rechtsschutzversicherer schließt aber mit der jeweiligen Quellgesellschaft einen Rückversicherungsvertrag und gibt nach einer stufenweisen Einführung 90 Prozent der Risiken und der Prämien an sie weiter. Das Auslandsgeschäft sowie Prämien, die über Makler kommen, sind nicht betroffen.

 

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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