R+V bleibt trotz Japan im Geschäft

Rückversicherung soll Fokus auf Deutschland ausgleichen

Herbert Fromme , Wiesbaden

Der Versicherungskonzern R+V will trotz der Belastung von 60 Mio. bis 100 Mio. Euro aus dem japanischen Erdbeben an seinem schnell wachsenden Geschäftszweig der Rückversicherung festhalten. Die R+V gehört zum genossenschaftlichen Finanzsektor, sie verkauft über Raiffeisen- und Volksbanken 90 Prozent der Lebensversicherungen und mehr als die Hälfte der Schadenpolicen.

Die Belastung aus Japan sei überhaupt nichts Tragisches, erklärte Konzernchef Friedrich Caspers. „Ein Schaden mit 500 Mio. Euro aus einem Sturm in Deutschland, der jedes zweite Haus abdeckt, das wäre ein wesentliches Ereignis für uns“, sagte er. Weil sie dieses Risiko trage, betreibe die R+V auch das aktive, internationale Rückversicherungsgeschäft: Hier deckt sie andere Gesellschaften gegen Katastrophen ab. Damit will Caspers ein Gegengewicht zu den deutschen Risiken schaffen.

Auf den Gewinn 2011 werde weder der Japan-Schaden noch eine Belastung von 30 Mio. Euro aus dem Beben in Neuseeland eine wesentliche Auswirkung haben, sagte Caspers. Er blieb aber bei einer konkreten Vorhersage für das laufende Jahr vage. Die R+V wolle weiterhin „gute Ergebnisse“ zeigen, sagte er nur. 2010 verdiente die Gruppe 261 Mio. Euro, verglichen mit 202 Mio. Euro im Vorjahr.

Dennoch treffen die Einschläge aus dem Engagement in Asien die R+V zur Unzeit, denn in der Heimat leidet die R+V unter Negativtrends in zwei Hauptsparten: Kfz und Wohngebäude.

In der Autoversicherung ist die Gruppe mit 3,5 Millionen Fahrzeugen zwar nach eigenen Angaben drittgrößter Anbieter im Land, muss aber für den Preiskampf der vergangenen Jahre – bei dem sie ihren Marktanteil ausbauen konnte – zahlen. Das Autogeschäft sei defizitär, sagte Caspers, wollte aber keine Zahl nennen. Die Schaden- und Kostenquote der R+V dürfte aber bei rund 110 Prozent der Beiträge liegen – für Schäden, Verwaltungs- und Vertriebskosten gibt der Versicherer zehn Prozent mehr aus, als er an Beitrag einnimmt. „Es geht mit den Preisen nach oben“, sagte Vorstand Norbert Rollinger hoffnungsfroh. Die zweite Baustelle: Immer mehr Wasserrohre platzen und bescheren den Versicherern hohe Belastungen. Auch hier sind die Preise wegen des Preiskampfs im Keller. Die gesamte Schaden- und Kostenquote der R+V lag 2010 bei 103,7 Prozent der Beiträge, deutlich schlechter als die 98 Prozent aus 2009 und auch schlechter als der Gesamtmarkt, der 2010 auf 98 Prozent kam.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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