Zwischen Gewinn und Gewissheit

Fondsgebundene Lebensversicherungen mit Garantie versprechen Sicherheit bei hoher Rendite, sind aber schwer durchschaubar

Anne-Christin Gröger

Die Lebensversicherer stecken in einem Dilemma – die klassischen Lebenspolicen verkaufen sich schlecht. Rentenverträge gegen Einmalbeitrag, zurzeit der Renner, könnten sehr bald wieder an Bedeutung verlieren, wenn die Zinsen für Banksparpläne anziehen. Es bleiben die fondsgebundenen Verträge: Der Kunde schließt einen Lebensversicherungsvertrag, das Geld wird in Aktien-, Renten- oder Immobilienfonds investiert. Das Kapitalanlagerisiko trägt im Wesentlichen der Kunde.

Für den Versicherer ist das eine feine Sache. Er braucht für solche Policen wenig Eigenkapital und entgeht so den neuen, strengen EU-Kapitalvorschriften. Der Nachteil: Seit der Finanzkrise verkaufen sich fondsgebundene Verträge kaum noch.

Die Lösung sollen fondsgebundene Policen mit Garantie bringen. Allerdings kostet diese Sicherheit einiges. Nach Berechnungen der Axa sind das zwischen 0,7 Prozent und 1,9 Prozent pro Jahr. Allein die Garantie schmälert die Rendite um diesen Satz. Dazu kommen Vertriebs- und Verwaltungskosten des Versicherers sowie Fondsgebühren.

Bei klassischen deutschen Lebenspolicen trägt der Versicherer das Kapitalanlagerisiko. Er sagt den Kunden einen Garantiezins von zurzeit 2,25 Prozent auf den Sparanteil der Beiträge für die gesamte Vertragslaufzeit zu. Zudem schreiben die meisten Gesellschaften eine nicht garantierte Überschussbeteiligung gut, die 2010 im Schnitt bei 4,1 Prozent lag.

Bei fondsgebundenen Verträgen mit Garantie bieten die Versicherer verschiedene Formen der Absicherung. Sogenannte Hybride sind eine Mischung aus klassischer und fondsgebundener Lebensversicherung. Besonders beliebt sind Produkte, die auf den einzelnen Kunden zugeschnitten sind, sagt Marcel Schmitz von der Unternehmensberatung Towers Watson. Die Policen sind so konstruiert, dass die Beiträge auf drei Töpfe aufgeteilt werden – einen beim Versicherer angesiedelten „sicheren“ Kapitalstock, einen Wertsicherungsfonds und einen freien Fonds. In die beiden ersten Töpfe fließt so viel Geld, dass der Versicherer die Garantie erfüllen kann. Abhängig von der Entwicklung des Kapitalmarktes schichtet er Beträge in den chancenreicheren freien Fonds um. „Diese Anlageform eignet sich vor allem für jüngere Anleger, die noch lange vom Auf und Ab der Aktienmärkte profitieren können“, sagt er.

Verbraucherschützer kritisieren die Angebote wegen ihrer Intransparenz. „Die Policen sind hochkomplex und aufgrund ihrer unterschiedlichen Bauart nur schwer zu vergleichen“, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Wichtig: „Anders als bei klassischen Lebensversicherungen gibt es keinen garantierten Rückkaufswert“, moniert Versicherungsmathematiker Axel Kleinlein. Die Garantien gelten immer für den Auszahlungsbeginn. Wer vorher abspringt, sieht sein Geld im schlimmsten Fall nicht wieder.

Ganz anders aufgebaut sind die im angelsächsischen Raum verbreiteten sogenannten Variable Annuities. Sie trennen die Kapitalanlage streng von der Garantie. „Der Kunde kann die gesamte Laufzeit in Aktien investieren“, sagt Markus Willmes von der Axa. „Mit einem ausgeklügelten Hedging-Verfahren sichern wir die Garantie durch verschiedene Finanzinstrumente am Kapitalmarkt ab.“ Damit verhindert der Anbieter, dass die künftige Rente bei negativer Kapitalmarktentwicklungen sinkt.

Anbieter sind unter anderem die Axa, Canada Life, die R+V und die Allianz. Sie garantieren Kunden eine Mindestrente, die bei schlechtem Börsenverlauf nicht fallen, sich aber bei positivem Trend erhöhen kann.

Mathematiker Kleinlein warnt vor hohen Gebühren. „Neben Abschluss- und Verwaltungskosten müssen Kunden auch Kosten für die Fondsgesellschaft bezahlen“, sagt er. Allein bei den Kosten des Versicherers könnten bis zu acht Prozent der gezahlten Summen anfallen. Dazu kommt, dass die Policen bei ausländischen Schwestergesellschaften der Anbieter gehalten werden. Sie stehen nicht unter dem Schutzschirm der Auffanggesellschaft Protektor. „Geht die Gesellschaft pleite, steht der Kunde ohne Geld da“, fürchtet Kleinlein.

Grundsätzlich gilt: Wer in Aktien oder Fonds investieren will, sollte genau prüfen, ob eine Lebensversicherung dafür die richtige Form ist. Für die Absicherung der Familie im Todesfall ist eine reine Risikolebensversicherung günstiger. Parallel kann man dann in Fonds sparen. Auch sie bieten Garantien an.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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