Hoher Kupon, etliche Haken

Eine Anleihe der Gothaer bietet sechs Prozent Zinsen – und birgtentsprechende Risiken

Friederike Krieger

Mindestens sechs Prozent Zinsen? Von einem Versicherer? Klingt nach einem verlockenden Angebot. Doch die Anleihe, die die Gothaer emittieren will, hat ein paar Haken.

Dass ein Versicherer eine Anleihe begibt, kommt selten vor. Die Gothaer hatte jedoch schon 2007 ein ähnliches Papier emittiert. Damals betrug das ausgegebene Volumen 15 Mio. Euro, diesmal sollen es bis zu 50 Mio. Euro werden. Die Anleihe zahlt zehn Jahre lang jährlich sechs Prozent Zinsen. Bei besonders gutem Geschäftsergebnis winkt zudem eine Erfolgsbeteiligung. Kunden der Gothaer können das Papier vom 23. Mai bis 24. Juni zeichnen. Die Mindestanlagesumme beträgt 5000 Euro. Der Versicherer erwartet eine große Nachfrage. „Im aktuellen Zinsumfeld ist die Anleihe durchaus attraktiv“, sagt eine Sprecherin des Unternehmens.

Die Gothaer sieht ihre Anleihe in erster Linie als Instrument zur Kundenbindung. „Wir wollen unsere Mitglieder stärker am Unternehmenserfolg teilhaben lassen“, so die Sprecherin. Die Mitglieder sind die Versicherungsnehmer der Gothaer, denn die Gesellschaft ist ein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit. Diese Vereine haben keinen Besitzer, sondern gehören ihren Versicherten. Nur sie können die Anleihe zeichnen.

Hajo Köster vom Bund der Versicherten rät allerdings davon ab, nur wegen des Papiers Kunde zu werden. „Für uns stellt die Anlage selbst keinen Grund dar, nun schnell noch einen Vertrag bei der Gothaer abzuschließen“, sagt er. Die Zinsen liegen zwar klar über den aktuellen Festgeldangeboten von Banken. Ganz ohne Risiken ist die Anleihe aber nicht.

Die Zinsen zahlt die Gothaer aus dem Jahresergebnis. Reicht der Gewinn nicht aus, um diesen Betrag auszuschütten, wird der Kupon aufgeschoben. Sollte das Ergebnis bis zum Laufzeitende mager bleiben, verfallen die Zinsansprüche. Den Anlagebetrag gibt es aber garantiert zurück – es sei denn die Gothaer geht pleite. „Bei einer Insolvenz erhalten Investoren ganz als Letzte Geld, sofern noch etwas vorhanden ist“, sagt Köster. Die Anleihe ist nämlich nachrangig: Bevor die Zeichner des Papiers an der Reihe sind, werden alle anderen Gläubigeransprüche befriedigt.

„Außerdem ist vor einer Investition zu bedenken, dass das Papier nicht frei gehandelt wird“, sagt Köster. „Es gibt keine Möglichkeit, vor Ablauf an das Geld heranzukommen.“ Daher käme die Anlage nur für Investoren infrage, die zehn Jahre durchhalten können. Es gebe bessere Wege, Kunden an das Unternehmen zu binden, meint Köster: „Kann die Gothaer nicht einfach die Beiträge senken oder die Gewinnbeteiligung erhöhen?“

HUK-Coburg, ebenfalls ein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit, begrüßt das Angebot. „Für einen Versicherungsverein mag das schon eine sinnvolle Art sein, sich Kapital zu beschaffen“, sagt ein Sprecher. Im Gegensatz zu Aktiengesellschaften können Vereine sich nicht an der Börse Geld beschaffen. HUK-Coburg plane allerdings keine Anleihe. „Wir sind vom Eigenkapital her gut aufgestellt.“

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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