Industrie fordert mehr Transparenz

Betriebe wollen die Entscheidungen der Assekuranz nachvollziehen können

Friederike Krieger

Am 22. Juli 2009 kam es im Chemiewerk Weka in Iserlohn zu einer Explosion. Das Feuer zerstörte auch Teile der benachbarten Armaturenfabrik Dornbracht. Zwar war das Unternehmen gegen Feuerschäden bis zu 125 Mio. Euro versichert. Doch der Versicherer Chartis, mit 25 Prozent an dem Risiko beteiligt, weigerte sich, zu zahlen, weil Dornbracht die Nähe zu dem Chemiewerk bei Vertragsabschluss verschwiegen habe. Das Oberlandesgericht Hamm verurteilte Chartis dazu, den Schaden zu regulieren. Trotzdem sind Industrieversicherungskunden alarmiert. Für die Unternehmen ist der Fall ein Zeichen, dass die Branche wegen des Preisdrucks im Markt hartleibiger bei der Zahlung von Schäden wird.

„Einige meiner Kollegen haben schon den Eindruck, dass die Bedingungen restriktiver ausgelegt werden als früher“, sagt Klaus Greimel, Versicherungschef bei Eon und Präsident des Deutschen Versicherungs-Schutzverbands, der die Interessen der versicherungsnehmenden Industrie vertritt. „Eine gute Betreuung im Schadenfall ist aber eines der wichtigsten Serviceargumente der Versicherer“, sagt er. Bei jedem Vertrag gebe es Grauzonen. „Es ist wichtig, mit dem Versicherer im Vorfeld darüber zu reden“, sagt er. Auch vor Vertragsschluss wünscht sich Greimel mehr Kommunikation. „Versicherer müssen ihre Entscheidungswege transparenter machen“, fordert er. „Wenn eine Gesellschaft ein Risiko nicht zeichnen will, möchte ich doch wissen, warum.“ Es sei wichtig, dass sie die Schwachstellen in der Firma nennt, die einer Versicherung im Wege stehen. „Ansonsten kann der Versicherer nicht erwarten, dass ich im nächsten Jahr wieder mit voller Begeisterung auf ihn zugehe.“ Die Gesellschaften unterschätzten dieses Thema häufig.

Für mehr Transparenz im Markt soll ab diesem Sommer die elektronische Plattform Inex-24 sorgen. Unternehmen wollen darüber künftig ihren Versicherungsbedarf ausschreiben. Es hätten sich zwar einige Versicherer wie Allianz, HDI-Gerling und Gothaer zu einer Zusammenarbeit mit dem Portal bereit erklärt, sagt Greimel. Gesellschaften aus dem Londoner Markt, die er gerne bei einer Ausschreibung angesprochen hätte, seien aber noch nicht dabei. „Um eine höhere Transparenz zu ermöglichen, benötigt man einen großen Blumenstrauß an Versicherern.“ Wenn nur fünf bis zehn Gesellschaften an Bord sind, sei das Projekt relativ uninteressant.

„Ob Inex-24 Bedeutung bekommt, hängt davon ab, ob die Industrieversicherungskunden es annehmen“, sagt Christian Hinsch, Vorstandsvorsitzender von HDI-Gerling. Kunden hätten bei einer Umfrage des Versicherers dem Thema IT-Anbindung eher eine untergeordnete Bedeutung beigemessen. „Sie wird vielleicht in einigen Jahren aus Kostengründen eine größere Rolle spielen“, sagt Hinsch.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit