Prämienrückgang schickt Swiss-Life-Aktie auf Talfahrt

Tochter AWD erleidet Verluste in Österreich und Osteuropa

Tobias Bayer, Zürich,

und Anja Krüger, Köln

Der größte Schweizer Lebensversicherer Swiss Life hat in den ersten drei Monaten des Jahres weniger Policen verkauft als erwartet. Die Prämieneinnahmen gingen im ersten Quartal um 13 Prozent auf 6,8 Mrd. Franken (5,3 Mrd. Euro) zurück, teilte das Unternehmen gestern mit. Die Aktie schloss 4,9 Prozent schwächer.

Verantwortlich für den Rückgang war vor allem die Einheit Private Placement Life Insurance (PPLI), die wohlhabenden Kunden Versicherungsmäntel anbietet – eine Geldanlage, die als Versicherung strukturiert ist und deshalb Steuervorteile bietet. 2010 profitierte PPLI von der italienischen Steueramnestie, durch die sich die Nachfrage nach diesen Produkten stark erhöhte. Dieser Effekt fiel 2011 weg, sodass das Prämienvolumen um 65 Prozent auf 594 Mio. Franken schrumpfte. „Wir schreiben mit PPLI schwarze Zahlen und rechnen mit einer normalen Entwicklung“, sagte Swiss-Life-Finanzchef Thomas Buess.

Der Lebensversicherer steht unter genauer Beobachtung des Kapitalmarkts. Kritisch gesehen wird die Übernahme von AWD: Für den von Carsten Maschmeyer gegründeten Finanzvertrieb hatte Swiss Life im Jahr 2008 rund 1,2 Mrd. Euro gezahlt. Angesichts anfänglicher Verluste und Klagen auf Falschberatung lohnte sich der Kauf bisher nicht. Swiss-Life-Chef Bruno Pfister legte das Programm Milestone auf, mit dem die Kosten im Gesamtkonzern bis Ende 2012 um bis zu 400 Mio. Franken gedrückt werden sollen.

AWD bleibt indes eine Baustelle: Wegen Problemen in Österreich sowie Zentral- und Osteuropa sank das Ergebnis vor Zinsen und Steuern im ersten Quartal von 9,8 auf 9,5 Mio. Euro. In diesen Regionen fuhr AWD einen Verlust von 1,2 Mio. Euro ein. „Wir haben mit einer neuen Geschäftsführung in Wien ein neues Kapitel aufgeschlagen und gehen davon aus, dort wieder rasch in die schwarzen Zahlen zu kommen“, sagte ein AWD-Sprecher. Wien sei jetzt nur noch für Österreich zuständig. Osteuropa werde an die Zentrale in Hannover angebunden.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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