Tsunami reißt Swiss Re in rote Zahlen

Rückversicherer erwartet deutlich bessere Marktentwicklung //Prämienerhöhungen in Asien

Herbert Fromme , Köln

Eine Serie von Großkatastrophen hat den Rückversicherer Swiss Re im ersten Quartal tief in die roten Zahlen gedrückt. Insgesamt fiel ein Verlust von 665 Mio. Dollar (447 Mio. Euro) an – ein Jahr zuvor hatte der Rückversicherer noch 158 Mio. Dollar verdient. Wie bei den Konkurrenten im Rückversicherungsgeschäft wirkte sich vor allem die hohe Belastung durch Naturkatastrophen aus, die sich auf 2,3 Mrd. Dollar belief. „Die Fluten in Australien kosten uns 225 Mio. Dollar, der Zyklon ,Yasi` 100 Mio. Dollar und das Erdbeben in Neuseeland im Februar 800 Mio. Dollar“, sagte Finanzchef George Quinn. „Und dann kam das Erdbeben in Japan mit 1,2 Mrd. Dollar.“

Mit dieser Belastung von umgerechnet 810 Mio. Euro aus Japan bleibt Swiss Re deutlich unter den 1,5 Mrd. Euro, die Weltmarktführer Munich Re meldete. Auch in München war das erste Quartal negativ, Details will Munich Re am 9. Mai nennen. Der Pariser Rückversicherer Scor verzeichnete ebenfalls rote Zahlen. Von den großen Anbietern konnte nur Hannover Rück mit einem allerdings stark verringerten Gewinn aufwarten.

Allerdings sind Quartalsergebnisse für Rückversicherer wenig aussagekräftig. Großschäden gehören zum Kern ihres Geschäftsmodells, das auf den langfristigen Ausgleich von Risiken ausgelegt ist. Verluste in Quartalen mit hohen Schäden werden in anderen mehr als ausgeglichen. Swiss Re meldete für das erste Quartal eine Schaden-und-Kosten-Quote von 163,7 Prozent der Beiträge – das Unternehmen gab also für Schäden und Kosten 63,7 Prozent mehr aus, als es an Beiträgen einnahm.

Dennoch macht sich das Swiss-Re-Management über die Naturkatastrophen eher weniger Sorgen. „Wenn ich Sorgen habe, dann richten sie sich mehr auf die Risiken aus Staatsanleihen“, sagte Quinn. Swiss Re hat 53 Mrd. Dollar in Staatsanleihen angelegt, der größte Brocken bei Gesamtanlagen von 120 Mrd. Dollar.

Swiss Re sei in den Ländern mit Problemen an der Peripherie der Euro-Zone nur sehr wenig engagiert. Das ist anders in den Euro-Ländern mit hohem Rating sowie den USA und Großbritannien. „Die Herausforderung bei einer europäischen Umschuldung besteht darin, dass überhaupt nicht klar ist, wie sie schließlich aussieht und welche Wirkungen sie auf Staatsanleihen überhaupt hat.“ Gelinge es, die Umschuldung auf die betroffenen Länder einzugrenzen, könnten höher bewertete Länder wie Deutschland davon profitieren.

In der Rückversicherung von Lebens- und Krankenversicherern verdiente Swiss Re im ersten Quartal 144 Mio. Dollar, 101 Mio. Dollar weniger als im Vorjahr. Finanzchef Quinn begründete das mit Fluktuationen in den Sterblichkeitszahlen.

Große Erwartungen hat der Schweizer Rückversicherer an die Preisentwicklung. In den Vertragserneuerungen im April, traditionell der Monat für solche Abschlüsse in Japan, Korea und Indien, habe die Gesellschaft die Prämien um fünf Prozent steigern können. „Wir können von dem besseren Marktumfeld profitieren“, sagte Quinn. Die eigentlich für 2012 und 2013 erwartete deutliche Preiserholung werde jetzt früher stattfinden.

Finanzstarke Unternehmen wie Swiss Re würden profitieren. „Wer als Rückversicherer davon abhängt, selbst große Teile des Risikos an andere Gesellschaften abzugeben, bekommt Probleme“, sagte er mit Blick auf kleinere, finanzschwache Anbieter. Die Rückversicherung der Rückversicherer nennt der Markt Retroversicherung. „Der Retromarkt wird in Zukunft extrem eng sein.“

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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