Aviva verkauft britischen Pannendienst RAC

Private-Equity-Investor Carlyle zahlt 1 Mrd. Pfund

Herbert Fromme , Köln

Der britische Versicherungskonzern Aviva hat den Pannendienst Royal Automobile Club (RAC) für 1 Mrd. Pfund (1,3 Mrd. Euro) an den Finanzinvestor Carlyle verkauft. Der Preis entspricht etwa dem Zehnfachen des RAC-Vorsteuergewinns und liegt deutlich über den Analystenerwartungen, die mit 600 Mio. Euro gerechnet hatten.

Aviva gewinnt mit dem Verkauf finanzielle Flexibilität und folgt der Strategie von Konzernchef Andrew Moss, das Unternehmen auf die profitabelsten Teile im Kerngeschäft zu konzentrieren. Als Teil der Strategie hat Moss gerade den Aviva-Anteil an der niederländischen Gruppe Delta Lloyd von 58 Prozent auf 43 Prozent reduziert und will ihn weiter absenken. 2009 beschloss die Gruppe, ihr deutsches Geschäft in Wiesbaden zu schließen, nachdem kein Käufer gefunden wurde.

Aviva hatte den RAC 2005 für 1,1 Mrd. Pfund übernommen, in der Zwischenzeit aber Teile wie die Fahrschulkette British School of Motoring für zusammen 500 Mio. Pfund verkauft. Die großen Hoffnungen, dass sich die Übernahme des RAC positiv auf die Autoversicherung auswirkt, hatten sich in der Zwischenzeit nicht wie erwartet erfüllt.

Der RAC ist ähnlich wie der deutsche ADAC als Pannenhelfer mit 2000 Fahrzeugen unterwegs. Der ursprüngliche Autoclub wurde 1897 gegründet. Im Jahr 1998 wandelte er seine Serviceabteilung in eine Aktiengesellschaft um und willigte in den Verkauf an die Lex Services Group ein. Damals erhielt jedes Mitglied 34 000 Pfund für die Mitgliedsrechte. Der alte, inzwischen sehr exklusive Club besteht weiter, hat aber mit dem Pannenservice nichts mehr zu tun.

Eine Reihe deutscher Versicherer, darunter Marktführer HUK-Coburg, betreiben eigene Pannendienste. Ihr Interesse: Sie wollen verhindern, dass Fahrzeuge bei Schäden in zu teure Werkstätten abgeschleppt werden oder fremde Pannenhelfer sofort ihnen nahestehende Anwälte empfehlen. Der ADAC seinerseits hat zusammen mit der Versicherungsgruppe Zurich 2007 einen eigenen Autoversicherer gegründet.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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