Provinzial Nordwest entzückt klamme Sparkassen

Regionalversicherer hat Sicherheitsmittel deutlich ausgebaut

Herbert Fromme , Münster

Die zum Sparkassenlager gehörende Provinzial Nordwest hat 2010 deutlich weniger verdient als im Vorjahr. Vorstandschef Ulrich Rüther erklärte den Gewinnrückgang von 111 Mio.auf 75 Mio. Euro nach Steuern mit dem strengen Winter. Die Konzerngesellschaften sind Marktführer in der Gebäudeversicherung in den Regionen Westfalen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg. „Deshalb wirken sich die vielen Leitungswasserschäden bei uns besonders aus“, sagte Rüther.

Er verwies aber auf die deutliche Substanzstärkung des Konzerns, der 2005 durch die Fusion der Westfälischen Provinzial in Münster mit der Provinzial Brandkasse in Kiel entstanden war. Die Sicherheitsmittel seien in der Zeit von 764 Mio. Euro auf 1,1 Mrd. Euro ausgebaut worden. Mit 3,2 Mrd. Euro – ein Plus von 1,7 Prozent – Beitragseinnahmen und 21 Mrd. Euro Kapitalanlagen ist die Gruppe die Nummer 15 im deutschen Markt, obwohl sie nur regional arbeitet.

Für die Sparkassen in Westfalen ist die Stabilität eine gute Nachricht. Sie halten 40 Prozent. Weitere 40 Prozent hält der kommunale Landschaftsverband Westfalen-Lippe, 18 Prozent gehören den Sparkassen in Schleswig-Holstein und zwei Prozent jenen in Ostdeutschland. Für die Institute kann sich die Beteiligung als wichtiger Notanker erweisen. Denn sie müssen befürchten, wegen der Umstrukturierung der WestLB noch mit Hunderten von Millionen Euro zur Kasse gebeten zu werden.

Der Verkauf oder Teilverkauf der getrennt arbeitenden Provinzial-Konzerne in Münster und Düsseldorf wird in den Führungen der Sparkassenverbände deshalb erneut durchdacht. Experten schätzen, dass die Provinzial in Münster 2,5 Mrd. Euro wert wäre, die Gruppe in Düsseldorf 2,1 Mrd. Euro.

Kämen die Versicherer auf den Markt, gäbe es genügend Interessenten im In- und Ausland. Allerdings würden die Sparkassen große Anstrengungen machen, sie im eigenen Lager zu halten. Eine Übernahme durch die expansive Versicherungskammer Bayern wäre denkbar.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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