Versicherer zeigt Filmfondsanlegern kalte Schulter

Schwere Vorwürfe gegen Talanx-Tochter HDI-Gerling // Deckung fürFondsinitiator Contor Treuhand angeblich ohne stichhaltigen Grund zurückgezogen

Herbert Fromme

Vertreter der Filmfondsbranche erheben schwere Vorwürfe gegen HDI-Gerling Industrie. Der Versicherer, der zum Talanx-Konzern gehört, habe die Deckung des Filmfondsinitiators Contor Treuhand gegen Ansprüche aus der Vermögensschadenhaftpflicht im Juli 2010 ohne stichhaltigen Grund zurückgezogen. „Damit stiehlt sich HDI-Gerling aus der Verantwortung“, sagt Florian Lechner, Chef der Cine Pictures Management, die den von Contor aufgelegten Fonds Cinerenta abwickelt.

HDI-Gerling will wegen anhängiger Gerichtsverfahren nicht Stellung nehmen. In der Versicherungsbranche heißt es, HDI-Gerling habe auf Grund neuer Erkenntnisse die Deckung zurückgezogen, die der Versicherer im Rahmen eines BGH-Verfahrens zu der Sache gewonnen habe.

Der Streit ist eine Spätfolge des desaströsen Filmfonds-Booms der 90er-Jahre. Damals wurden Zehntausende Investoren zu Anlagen von jährlich rund 2 Mrd. Euro in angeblich steuersparende Filmfonds bewegt.

Ende der 90er-Jahre änderten die Finanzbehörden ihre Sichtweise bei den Filmfonds – und das rückwirkend. Die Folge: Anleger mussten hohe Summen an Steuern plus Zinsen nachzahlen.

Für den Cinerenta-Filmfonds hatten die cleveren Initiatoren 9000 Anleger geworben, die insgesamt 450 Mio. Euro einzahlten. Treuhänder des Fonds war die Contor Treuhand Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Ihr Geschäftsführer war der bekannte Jurist Alexander Hemmelrath. Versichert war die Gesellschaft bei HDI-Gerling und der Versicherungsstelle Wiesbaden, die sich auf Wirtschaftsprüfer spezialisiert hat.

Später stellte sich heraus, dass Contor vor allem an die mit ihr eng verflochtene Vertriebsfirma Investor Treuhand Innenprovisionen von 20 Prozent gezahlt hatte, dies aber den Anlegern im Prospekt nicht offenlegte. Dort war lediglich von sieben Prozent Provision und fünf Prozent Aufgeld die Rede. Geschäftsführer der Investor Treuhand war Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft.

Cinerenta war ohnehin wirtschaftlich ein Misserfolg. Tausende von Anleger verklagten Contor auf Schadensersatz wegen der unterlassenen Offenlegung. Sie hätten sich nicht beteiligt, wenn sie von den 20 Prozent gewusst hätten, argumentierten sie. Doch unterlagen die Kläger in fast allen Verfahren. Erst am 15. Juli 2010 entschied der Bundesgerichtshof (III ZR 321/08) in ihrem Sinne.

HDI-Gerling hatte jahrelang die Abwehr von Ansprüchen gegen Contor finanziert und mit einigen Anlegern auch außergerichtliche Vergleiche geschlossen. Doch am 22. Juli 2010 zog der Versicherer seine Deckungszusage plötzlich zurück und forderte von Contor die Rückzahlung der bereits gezahlten Summen. Die Folge: Das Unternehmen ging in die Insolvenz.

Lechners Cine Pictures kehrt jetzt die Scherben des Cinerenta-Fonds zusammen. „Es stellt sich die Frage, ob dies etwa ein abgekartetes Spiel zwischen Contor und HDI ist“, sagt Lechner. Er hat jetzt 5000 Anleger dazu bewegt, bei HDI-Gerling Güteanträge einzureichen, um deren Schadensersatzansprüche zu wahren. HDI-Gerling-Vorstand Rolf Aßhoff lehnt Verhandlungen ab. „Es gibt nichts, was zwischen uns sinnvoll besprochen werden könnte“, lässt er Lechner per Brief wissen.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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