Berater sehen Probleme mit Kapitalregeln

Britische und deutsche Lebensversicherer betroffen

Herbert Fromme , Köln

Die EU-Versicherungsaufsicht Eiopa stellte der Assekuranz gestern zwar insgesamt ein gutes Zeugnis aus und hält die Kapitalausstattung für robust. Am selben Tag warnten die Unternehmensberatung Bain und die Versicherungsmathematiker von Towers Watson in einer gemeinsamen Studie dagegen vor erheblichen Problemen, wenn wie geplant 2013 die neuen EU-Eigenkapitalregeln Solvency II eingeführt werden. Vor allem deutsche und britische Lebensversicherer seien betroffen, aber auch die Schadenversicherer in Italien.

Profitieren von Solvency II werden indes die großen Gesellschaften, sagte Bain-Partner Gunther Schwarz. „Der gesamte Markt kommt in Bewegung. Das ist die ideale Gelegenheit für Branchenführer, ihre Marktposition weiter auszubauen.“

Die beiden Unternehmen rechneten auf Grundlage öffentlich verfügbarer Unternehmensangaben und der Spezifikationen des letzten Testlaufs für Solvency II eine Simulation für die vier großen Märkte Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Italien durch. Das Ergebnis: „Für 25 Prozent der deutschen und 21 Prozent der britischen Lebensversicherer führt die Simulation zu einer Solvenzquote von unter 100 Prozent“, teilten sie mit. Damit wären diese Gesellschaften unterkapitalisiert und müssten entweder frisches Geld aufnehmen oder Geschäft aufgeben.

Hauptgrund sind die lang laufenden Rentenverträge, die in beiden Ländern verbreitet sind. Gerade in Deutschland sei die Diskrepanz zu den Laufzeiten der Kapitalanlagen besonders hoch. Hiesige Versicherer legen auch die Mittel für fünfzig Jahre und mehr laufende Rentenpolicen sehr kurzfristig an.

Bei den Schadenversicherern stehen Deutsche und Briten vergleichsweise gut da, so Bain und Towers Watson. Lediglich acht Prozent der britischen Firmen und kein deutscher Versicherer würden bei der Simulation unter 100 Prozent rutschen, obwohl bei Solvency II mehr als dreimal so viel Kapital wie bisher unter Solvency I gefordert wird.

Ganz anders sei die Lage in Italien. Dort kommt rund die Hälfte der Sachversicherer auf eine Quote unter 100 Prozent. Der Grund sei der ungünstige Produktmix, denn rund 50 Prozent der Prämien stammen aus der Autoversicherung. Dazu kommen die lokal hohen Kosten.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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