Gothaer macht D&O-Geschäft lieber selbst

Versicherer verlässt Haftpflicht-Spezialisten VOV

Anja Krüger , Köln

Der Versicherer Gothaer steigt beim Kölner Managerhaftpflicht-Spezialisten VOV aus und wird ab Mitte 2012 selbst Directors-and-Officers-Policen (D&O) anbieten. Damit folgt die Gothaer ihrer Strategie, den Bereich Industrieversicherung stark auszubauen. Die Gesellschaft hat bereits Beitragseinnahmen von mehr als 200 Mio. Euro in der gewerblichen und industriellen Haftpflichtversicherung und sieht sich damit als einer der führenden Anbieter.

Mit D&O-Policen sichern Unternehmen ihr Führungspersonal gegen Haftungsansprüche wegen Pflichtverletzungen ab. Über die VOV wickeln neben der Gothaer die Aachen-Münchener, die Condor, die Continentale, die Generali, die Nassau und die Nürnberger ihr D&O-Geschäft ab. 2008 hatte der Versicherer R+V die Condor von der Oetker-Familie übernommen, die Talanx-Tochter HDI-Gerling Industrie hatte im Januar den niederländischen Sachversicherer Nassau gekauft. Obwohl beide Käufer selbst D&O-Policen anbieten, sind sie Teil der VOV geblieben. „R+V und HDI-Gerling sind direkte Wettbewerber, das war uns zu nah“, sagte Thomas Leicht, Vorstandsvorsitzender der Gothaer Allgemeine.

Mit der Gothaer verlässt nun der größte Partner die VOV. „Wir bringen über 50 Prozent des Geschäfts, das sind mehr als 10 Mio. Euro Beitragseinnahmen“, sagte Leicht. Mit diesen Angaben ist die Gothaer das erste Unternehmen, das konkrete Zahlen zum D&O-Markt nennt. Die Anbieter sind extrem verschwiegen. Beobachter schätzen das Prämienvolumen in der Sparte in Deutschland auf rund 300 Mio. Euro.

Die Konstruktion der VOV sieht vor, dass die Kunden immer einen Vertrag mit einem der Anteilseigner als führenden Versicherer schließen. Die übrigen Gesellschaften sind Mitversicherer. Wer der führende Versicherer ist, entscheiden die Kunden. Bis Juli 2012 ändert sich für sie nichts. Danach entscheiden sie, ob sie zur Gothaer gehen oder bei der VOV bleiben wollen.

Für die VOV werde sich nach dem Ausstieg der Gothaer nichts ändern, sagte Geschäftsführer Diederik Sutorius. „Die bestehenden Kapazitäten bleiben erhalten“, sagte er. Die übrigen Gesellschaften der VOV füllen die frei werdenden Kapazitäten durch Aufstocken der jeweiligen Anteile auf. Allerdings dürfte es VOV schwer haben, ohne die Gothaer das bisherige Volumen zu halten.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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