Investor Vedder droht Ergo mit Klage

Geschäftsmann will auch Chef des Versicherers anzeigen

Reinhard Hönighaus, Frankfurt,

und Herbert Fromme, Köln

Nach dem Skandal um Sexreisen für Vertriebsmitarbeiter nach Budapest bekommt der Versicherer Ergo ein weiteres Problem: Der Geschäftsmann Clemens Vedder, dem Ergo versuchte Erpressung im Zusammenhang mit den Sex-Enthüllungen vorwirft, hat im Gegenzug eine Schadensersatzklage über 1 Mrd. Euro gegen Ergo sowie Strafanzeige gegen Ergo-Chef Torsten Oletzky und drei seiner Mitarbeiter angekündigt. Als Investor, der Milliarden in Fonds verwalte, müsse er seinen Ruf schützen, sagte Vedder dem „Handelsblatt“.

Hintergrund ist ein Streit zwischen Ergo und mehr als 40 Ex-Vertretern über Abfindungen. In der Spitze verlangten sie 112 Mio. Euro, die letzte Forderung lag bei 24 Mio. Euro. Nach FTD-Informationen laufen sechs Gerichtsverfahren: In drei Fällen verlangen Ex-Vertriebler höhere Abfindungen. In drei anderen Verfahren hat Ergo frühere Mitarbeiter verklagt, weil sie gegen ein Wettbewerbsverbot verstoßen haben sollen, das ihnen nach Zahlung einer Abfindung für Jahre die Tätigkeit in der Branche untersagt. Ergo behauptet, es gebe einen Zusammenhang zwischen den Auseinandersetzungen und Enthüllungen über Sexreisen und Riester-Verträge mit falschen Kosten, die Ergo seit Wochen in Atem halten.

Ergo hat zugegeben, dass es zu gravierenden Fehlern gekommen ist, sieht sich aber auch als Opfer einer organisierten Kampagne. Ergo glaubt, dass sich Vedder an die Forderungen der Vertreter anhängt. Im Juni hatte das Unternehmen bei der Staatsanwaltschaft Düsseldorf Strafanzeige gegen Vedder und zwei Anwälte wegen versuchter Erpressung gestellt. Die Behörde will nach FTD-Informationen im August entscheiden, ob sie Ermittlungen aufnimmt.

Vedder hatte sich in dem Streit als Vermittler angeboten. Der Vorwurf, er habe sein Wissen erpresserisch benutzt, sei beleidigend. „Wenn jetzt neben meiner neutralen Position auch meine Reputation und Zuverlässigkeit beschädigt werden soll, muss jemand das Echo auch vertragen können“, zitierte ihn das „Handelsblatt“.

Ergo reagierte zurückhaltend. „Wir haben der Staatsanwaltschaft nur einen Sachverhalt zur Prüfung übergeben“, sagte ein Ergo-Sprecher. „Es ist an der Staatsanwaltschaft, den Fall zu beurteilen.“

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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