Konkurrenz der Portale nimmt zu

Versicherungsvertrieb über Internetvergleiche boomt

Herbert Fromme , Köln

Die in Deutschland aktiven Versicherungsvergleichsportale im Internet haben im vergangenen Jahr Kfz-Policen für 640 000 Fahrzeuge vermittelt. Das geht aus einer Befragung des Leipziger Instituts für Versicherungswissenschaften unter der Geschäftsführung von fünf Portalen hervor. Der gesamte Portalmarkt erzielte über Provisionen einen Umsatz von 49,7 Mio. Euro, schätzen die Geschäftsführer weiter. Das ergibt eine Durchschnittsprovision von knapp 80 Euro pro vermitteltem Vertrag.

Angesichts des erst langsam abklingenden Preiskriegs der Autoversicherer wächst die Vermittlung über Onlineportale seit drei Jahren kräftig. Sie bieten dem Autofahrer eine höhere Preistransparenz, als er selbst ermitteln könnte. Bei Portalen muss er nur einmal die zahlreichen Daten eingeben, die Versicherer für ihre Prämienkalkulation benötigen, und erhält auf Knopfdruck Angebote mehrerer Anbieter. Kommt es zum Abschluss, zahlt der Versicherer dem Portal die Provision.

Versicherer sehen die Portale mit gemischten Gefühlen: Einerseits bringen sie Geschäft, andererseits sind sie Konkurrenz für die Vertreter und die eigenen Websites der Versicherer. Marktführer bei den Portalen ist eindeutig die Münchner Check 24, die nach Angaben gegenüber der FTD 2010 knapp 450 000 Policen vermittelte. Die HUK-Coburg, seit Anfang 2011 Marktführer in der Autoversicherung, kaufte im April zusammen mit Talanx und WGV den Rivalen Aspect Online, der auf etwa 80 000 Policen geschätzt wird. Für die kommenden drei Jahre erwarten die Portalbetreiber einen Ausbau des Umsatzes auf eine Million Fahrzeuge und 79 Mio. Euro Umsatz – ein Plus also von je rund 50 Prozent. Der ohnehin schon sehr harte Wettbewerb untereinander dürfte nochmals zunehmen. „Dabei glaubt die Mehrheit, dass die Konkurrenz durch neu eintretende Anbieter im Markt steigen wird“, sagte Institutschef Fred Wagner bei der Vorstellung der Ergebnisse.

Das von der HUK-Coburg finanzierte Goslar-Institut hatte bei dem Leipziger Institut die Studie über Transparenz und Geschäftsmodelle der Portale in Auftrag gegeben. Dabei führte das Institut auch Gespräche mit den Anbietern durch und erhob erstmals verlässlich scheinende Branchenzahlen.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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