Versicherer Axa plant Stellenabbau

Kürzungen sind auch in Deutschland wahrscheinlich

Herbert Fromme , Bordeaux

Der Versicherungskonzern Axa hat weitreichende Stellenstreichungen in mehreren Ländern angekündigt, ohne konkret zu werden. „Es gibt Länder, in denen die Zahl der Beschäftigten reduziert wird“, sagte Axa-Chef Henri de Castries. In anderen werde die angestrebte höhere Produktivität durch gleichbleibende Beschäftigtenzahlen bei steigenden Umsätzen erreicht.

Die Einschnitte sind Teil eines Sparprogramms, mit dem Axa bis 2015 die Kosten um 1,5 Mrd. Euro senken will. Davon sollen 600 Mio. Euro aus der Verwaltung stammen, 400 Mio. Euro aus dem Vertrieb. De Castries sagte, in Belgien würden mit Sicherheit Stellen gestrichen, in der Schweiz eher nicht. Zu Deutschland wollte er nicht Stellung nehmen. Da Axa hier nicht mit hohem Wachstum rechnet, ist ein Abbau wahrscheinlich.

Mit dem Sparprogramm will Axa wieder in die Offensive kommen. 2010 stand das Unternehmen schlecht da, weil die Folgen der Krise und Niedrigzinsen auf die Gewinne drückten und die Neuordnung des Asien-Geschäfts geschlagene 18 Monate dauerte. „Das ist jetzt vorbei“, sagte de Castries.

Axa würde die Munich-Re-Tochter Ergo nicht kaufen, wenn sie auf den Markt käme. „Das wäre zu teuer“, sagte er. „Mit einer Investition dieser Größe kann man in aufstrebenden Märkten deutlich mehr verdienen.“ Axa will in den wachstumsstarken Märkten Asiens, Lateinamerikas, der Türkei und teilweise Osteuropas verstärkt investieren, in den gesättigten großen Märkten aber nur selektiv zukaufen und auch Geschäft aufgeben.

De Castries verlangte, die EU-Kommission müsse das ab 2013 geplante neue Regelwerk Solvency II in wichtigen Punkten deutlich ändern. „Sonst wird die Konkurrenzfähigkeit der europäischen Versicherer dramatisch leiden“, sagte er. Sie stünden in den Wachstumsmärkten Asiens in direktem Wettbewerb mit großen US-Anbietern und den einheimischen Marktgiganten. „Wenn die EU die europäischen Versicherer durch höhere Kapitalanforderungen bestraft, verlieren sie in fünf bis zehn Jahren dramatisch an Volumen, weil sie nicht mehr so konkurrenzfähig sind.“ Auch die Kunden müssten dann mehr zahlen.

„Wenn Solvency II richtig eingesetzt wird, kann es für Europa einen Wettbewerbsvorteil bieten“, sagte er. „Aber leider besteht die Gefahr, dass hier übertrieben wird.“

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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