Talanx geht nach Indien

Mindestens vier neue internationale Standorte bis 2012 // Börsengang nur beiattraktiven Preisen

Herbert Fromme , Hannover

Der Talanx-Konzern baut das Netz seiner Töchter und Niederlassungen für die Industrieversicherung im Ausland deutlich aus. Mindestens vier neue Standorte sollen bis Ende 2012 eingerichtet sein, sagte Christian Hinsch, der stellvertretende Vorstandschef des Unternehmens.

Der Schritt ist notwendig, weil der Versicherer seine europäischen Kunden global begleiten muss. Nur so kann er in der scharfen Konkurrenz um die Versicherung großer Konzerne mit den Wettbewerbern Allianz, Chartis/AIG und Zurich mithalten. Talanx kooperiert mit der britischen RSA und nutzt deren internationales Netz, baut aber seit einigen Jahren die eigene Präsenz systematisch aus. Zuletzt kaufte er in den Niederlanden und Lateinamerika zu.

Hinsch kündigte an, dass die Industrieversicherungstochter HDI-Gerling Industrie in wenigen Monaten das Geschäft in Indien aufnehmen will. „Magma HDI wird von Kalkutta aus arbeiten“, sagte Hinsch. Eine entsprechende Vereinbarung mit Magma, einem Finanzierungsspezialisten für Baumaschinen und schwere Fahrzeuge, hatte der Konzern schon 2009 unterzeichnet, das Zulassungsverfahren steht kurz vor dem Abschluss. Noch 2011 werde HDI Gerling eine Niederlassung im kanadischen Toronto eröffnen, ebenso in Singapur, sagte Hinsch. Auf der Arabischen Halbinsel prüft der Versicherer ein Joint Venture oder ebenfalls die Errichtung einer Niederlassung.

Talanx wird von einem Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit geführt, den die deutsche Industrie kontrolliert. Er plant seit mehreren Jahren einen Börsengang, der nach aktuellem Stand frühestens 2012 stattfinden soll, aber durch die jüngsten Marktturbulenzen gestört werden könnte. Die Konzerngesellschaft Hannover Rück, an der Talanx 50,2 Prozent hält, ist bereits notiert.

Talanx sei hier überhaupt nicht unter Druck, sagte Hinsch. „Es ist klar, wenn die Börse unattraktive Preise bezahlt, wenn unsere Wettbewerber auf Börsenkapitalisierung bezogen unter ihrem Buchwert gehandelt werden, dann wäre es toll, wenn wir den von uns angestrebten Preis erhalten würden“, sagte er. „Wenn wir den nicht erhalten, macht der Börsengang keinen Sinn, und wir würden sicher darüber nachdenken, ob der Zeitpunkt der richtige ist.“ Auch ohne diesen Schritt hat das Unternehmen genügend Mittel, seine internationale Expansion fortzusetzen.

Die schwierige Lage der Industrieversicherung hindert Talanx ebenfalls nicht an den Investitionen „Das Jahr 2011 verlief bislang sehr bescheiden“, sagte Hinsch. „Das lag an den Großschäden, dabei spielte das Erdbeben in Japan eine große Rolle.“ Für eigene Rechnung koste das Beben HDI-Gerling 75 Mio. Euro, sagte Hinsch.

Unzufrieden ist er mit den Preisen. Nur in wenigen Bereichen wie der Autoflottenversicherung gebe es wirklich Bewegung nach oben. In der Haftpflichtdeckung seien Anhebungen in schadenbelasteten Branchen wie der Pharmaindustrie nötig, sagte Hinsch.

Zu Medienberichten über eine mögliche Partnerschaft in Vietnam wollte Hinsch nichts sagen. Er dementierte aber nicht, dass sich Talanx eine Präsenz in dem wichtigen Markt wünscht. Der größte Schadenversicherer des Landes, die zur staatlichen Petrovietnam gehörende Petrovietnam Insurance, plant den Verkauf eines Minderheitsanteils an einen ausländischen Partner.

Der Newsletter Intellasia hatte gemeldet, dass Talanx Interesse an dem Anteil zeigt, dabei aber starke Konkurrenz hat. Bieten sollen auch der französische Rückversicherer Scor, die britische RSA, Zurich, Insurance Australia, Mapfre aus Spanien sowie asiatische Versicherer.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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