Allianz bricht Tabu bei Lieferketten

Ausfall ohne Sachschaden bald versicherbar

Herbert Fromme

und Friederike Krieger, Köln

Die Allianz wird voraussichtlich im Januar 2012 ihre lange angekündigte Police für die Betriebsunterbrechung ohne vorhergehenden Sachschaden auf den Markt bringen. „Wir haben unser Konzept mit ausgewählten Großkunden besprochen“, sagte Wolfgang Faden, Chef für Deutschland und Zentraleuropa der Allianz Global Corporate & Specialty, der FTD. Für das Programm sei insbesondere wegen der Kumulrisiken noch eine Rückversicherungslösung erforderlich. „Der Rückversicherungsmarkt selbst hält sich hier jedoch noch deutlich zurück.“

Die Industrie fordert schon länger solche Deckungen. Ob Erdbeben in Japan oder Asche aus isländischen Vulkanen – Firmen hatten in letzter Zeit vermehrt mit Ereignissen zu kämpfen, die ein Loch in die Lieferkette gerissen haben. Die Gefahr, dass eine Firma mangels Nachschub vom Zulieferer nicht mehr produzieren kann, lässt sich zwar versichern. Kann sie aber nicht liefern, weil der Luftraum wegen Vulkanasche gesperrt ist, greifen herkömmliche Verträge nicht.

Die Allianz will diese Lücke nun schließen. Sie ist nicht der einzige Anbieter, der sich an neuen Konzepten versucht. Die Zurich ist im Ausland schon seit anderthalb Jahren mit einer Deckung am Markt. Und der Makler Willis bietet seit Anfang Juli eine Police speziell für mittelständische deutsche Kfz-Zulieferer an.

Die Industrie begrüßt die neuen Angebote. „Wir sind über jeden Schritt glücklich, den die Versicherer in Richtung Innovation unternehmen“, sagt Philipp Andreae, geschäftsführender Vorstand des Deutschen Versicherungs-Schutzverbands. Ob die Produkte Akzeptanz im Markt finden, sei eine andere Frage. Beim Preis liegen die Vorstellungen der Versicherer und der Kunden oft sehr weit auseinander.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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