Anleger von Ideenkapital sind nervös

Zweitmarktfonds für Lebensversicherungen müssen Bankdarlehen umschulden

Herbert Fromme

Der Gerichtsvollzieher musste am Montag unverrichteter Dinge wieder abziehen. Denn das Düsseldorfer Emissionshaus Ideenkapital, Teil der Ergo und damit der Munich Re, weigerte sich, die Adresslisten der Anleger eines Prorendita-Lebensversicherungsfonds herauszugeben. Dabei hatte die Kanzlei Schirp und Kollegen in Berlin im Auftrag eines Anlegers eine einstweilige Anordnung erwirkt. Der Investor will mithilfe der rührigen Juristen und der Adresslisten Mitstreiter gegen die Geschäftsführung finden. Doch Ideenkapital findet, das er dabei unzutreffende Angaben gemacht hat. Jetzt sieht man sich wohl vor Gericht.

Anleger in Lebensversicherungs-fonds sind nervös. Dazu tragen die Betrugsvorwürfe gegen das Berliner Emissionshaus BAC bei. Am Dienstag hatte die Staatsanwaltschaft die BAC-Geschäftsräume durchsucht. Nicht nur Schirp, auch andere Kanzleien wie Stoll in Lahr warnen vor einem möglichen Totalverlust – und suchen Mandanten. Im Gegenzug verweisen Fondsanbieter gerne auf das Geschäftsinteresse der Juristen.

Doch damit machen sie es sich zu leicht. Denn tatsächlich steht es um Prorendita nicht zum Besten. Rund 17 000 Anleger investierten von 2004 bis 2007 rund 335 Mio. Euro in fünf Fonds, die an britischen Zweitmarkt-Lebenspolicen verdienen wollten.

Die Idee bei Zweitmarktfonds: Sie zahlen Kunden von Lebensversicherern, die vorzeitig aussteigen wollen, einen bestimmten Preis für den Vertrag. Er liegt leicht über dem Rückkaufswert, den der Versicherer bieten würde. Normalerweise übernimmt der Fonds die Beitragszahlungen. Wird die Police fällig, erhält er die Versicherungssumme, die – so die Theorie – meistens deutlich höher ist als der Kaufpreis sowie die angefallenen Beiträge. Das besondere an den Prorendita-Fonds ist, dass sie vor allem mit gebrauchten Policen handeln, sie also nicht selbst weiterführen.

Doch das Geschäft läuft schlecht. Die Krise schlug auch in Großbritannien zu. Renditeerwartungen erwiesen sich als zu optimistisch, außerdem verlor das Pfund stark an Wert. Vier der fünf Fonds leisteten keinerlei Ausschüttung, rechnerisch hatte ein Fonds Ende 2010 eine Rückzahlungsquote von 40 Prozent, ein anderer von 70 Prozent. „Wir halten es für unwahrscheinlich, dass der ursprüngliche Portfoliowert wieder vollständig erreicht wird“, schreibt Geschäftsführer Thomas Bister-Füsser Anlegern.

Für ihr Geschäftsmodell brauchten die Fonds 258 Mio. Euro Fremdkapital. Die meisten Darlehen laufen zum Oktober 2011 aus. Krisengebeutelte Banken wie die Allied Irish Bank und Royal Bank of Scotland springen einer nach dem anderen ab. Nur Unicredit, durch Vertriebsabkommen eng mit Ergo verbandelt, sowie eine weitere Bank halten den Fonds die Treue. „Wir stehen unmittelbar vor Abschluss der Kreditverlängerung“, sagte ein Ideenkapital-Sprecher. Klappt das nicht, drohen den Anlegern noch höhere Verluste.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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