HSBC treibt Preis für ihre Versicherer hoch

Britische Großbank hofft auf Bietergefecht für Töchter // Allianz, Axa undGenerali gelten als Interessenten

Titus Kroder, London,

und Herbert Fromme, Köln

Der Verkauf der Schadenversicherer des Finanzkonzerns HSBC Holdings nähert sich der heißen Phase. Dem Vernehmen nach will HSBC nun Mitte Oktober Angebote einholen und wenn möglich eine Auktion starten. Angestrebt werde ein Verkaufserlös von über 1 Mrd. Dollar. Europas größte Bank hatte am 12. September bestätigt, dass der Geschäftszweig abgegeben werden soll.

HSBC will sich von einer ganzen Reihe von Geschäftsfeldern trennen, die im Verhältnis zu klein sind oder eine zu schwache Marge aufweisen. Der seit Januar amtierende Konzernchef Stuart Gulliver hat bereits das US-Kreditkartengeschäft für 2,6 Mrd. Dollar (1,9 Mrd. Euro) verkauft und 195 Privatkundenfilialen in Nordamerika für rund 1 Mrd. Dollar losgeschlagen. Die Trennung von der Schaden- und Unfallversicherung ist das nächste große Projekt. Gulliver will HSBC auf die Säulen Privat- und Firmenkundengeschäft stellen sowie Investmentbanking in schnell wachsenden Schwellenländern betreiben.

Am Donnerstag veröffentlichten die Nachrichtenagentur Reuters und die in Hongkong ansässige „South China Morning Post“ unter Berufung auf informierte Kreise erstmals Namen von potenziellen Interessenten. Genannt wurden Allianz, Axa und Generali, die schnell wachsende QBE aus Australien, PICC aus China und Tokio Marine aus Japan. Keines der Unternehmen nahm Stellung.

In der Assekuranz wird die Veröffentlichung HSBC zugeschrieben – als Versuch, den Preis für die zu verkaufenden Töchter hochzutreiben. Aus der Branche hieß es allerdings: „Ohnehin wäre so ein Deal für einen global agierenden Versicherer nur interessant, wenn HSBC langjährige Vertriebsgarantien gibt.“ Kein Unternehmen brauche „Versicherungsfabriken“, die habe man selbst. „Gesucht wird Vertriebskapazität.“ Beispiel Hongkong: In dem fragmentierten Markt ist HSBC Insurance mit einem Anteil von sieben Prozent Marktführer. Der größte Teil der Prämien wird mit Kunden der HSBC Bank erzielt. Ohne diesen Vertriebsweg wäre die Gesellschaft viel weniger wert.

Ob Allianz, Axa und Generali angesichts der Finanzkrise ihren Aktionären einen Zukauf von 1 Mrd. Dollar oder 735 Mio. Euro zumuten würden, ist zumindest fraglich. Die Axa versucht gerade, ihr weitverzweigtes Geschäftsfeld zu konsolidieren. Allianz-Chef Michael Diekmann hat zwar mehrfach erklärt, sich den Zukauf von Schaden- und Unfallversicherern vorstellen zu können. Allerdings ist der weltgrößte Versicherer in den meisten Regionen, in denen HSBC Gesellschaften anbietet, bereits vertreten.

Zum Verkauf stehen nun Unternehmen in Hongkong, Singapur, mehreren Ländern Lateinamerikas und Frankreich. In Großbritannien hat die dort ansässige Bank – die ihre Wurzeln in der einstigen britischen Kronkolonie Hongkong hat – einen Teil des Geschäfts stillgelegt, einen anderen verkauft.

Insgesamt will HSBC Versicherer mit einem Prämienvolumen von rund 1,3 Mrd. Dollar loswerden. Nach Angaben der Bank erzielte sie mit ihnen 2010 etwa 200 Mio. Dollar Gewinn. Entscheidend für den Preis wird neben Prämie und Gewinn sein, wie gut die Schadenreserven der HSBC-Versicherer tatsächlich aussehen.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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