Königin der Bilanzen soll BaFin führen

Versicherungsexpertin Elke König wird oberste deutsche Finanzaufseherin //Vorgänger Jochen Sanio amtsmüde

Uta Harnischfeger, Frankfurt,

und Herbert Fromme, Köln

Die zermürbende Suche nach einem Nachfolger für den obersten deutschen Finanzaufseher Jochen Sanio endet jetzt mit einem Überraschungscoup: Die 57-jährige Versicherungs- und Rechnungslegungsexpertin Elke König, die derzeit in London internationale Standards für Unternehmensbilanzen aufstellt, soll nach FTD-Informationen oberste Chefin der deutschen Finanzaufsicht werden. Zuvor hatte die „Bild“-Zeitung über die Personalie berichtet.

Die Berufung war überfällig und drohte beinahe zum Debakel für Finanzminister Wolfgang Schäuble zu werden. Sogar Headhunter waren beauftragt worden. Sanio wollte eigentlich Anfang des Jahres in Rente. Er wird nun am 28. Oktober verabschiedet.

Die Rheinländerin sagt von sich selbst, sie habe „Bilanzen im Blut“. Ihre Leidenschaft für Zahlen muss bei der Entscheidung für König eine Rolle gespielt haben. Denn die zweifache Mutter, die sich selbst ganz unfeministisch als Diplomkaufmann bezeichnet, war erst im Juli 2010 dem Ruf des International Accounting Standards Board (IASB) nach London gefolgt, wo sie sich zu fünf Jahren im Vorstand verpflichtet hatte. Das erlauchte Gremium stellt Bilanzregeln für 120 Länder auf.

Kampfeslust muss die Zahlenexpertin, die nach zwölf Jahren als Chefin der Bilanzabteilung der Munich Re sieben Jahre als Finanzvorstand bei der Hannover Rück verbrachte, auch im neuen Job beweisen. Sie muss den Daumen darauf halten, dass Banken, Versicherer und Fonds neue Regulierungen umsetzen, angefangen von Basel-III-Kapitalvorgaben, Solvency II für Versicherer bis hin zur neuen Finanzmarktrichtlinie. Zudem sollen künftig die aufsichtsrechtlichen Befugnisse von BaFin und Bundesbank gestärkt werden.

König könnte die Herausforderung meistern. Sie gilt als ausgezeichnete Fachfrau, aber auch als fordernd und nicht immer einfach für ihre Mitarbeiter. Sie selbst gibt zu, dass Geduld nicht zu ihren Stärken gehört. „Ich bin oft ungeduldig und sage meine Meinung immer sehr deutlich.“ Ihre Auslandserfahrung dürfte ihr helfen, immerhin muss sich die gebürtige Rheinländerin künftig auch in Gremien wie der paneuropäischen Bankenaufsicht EBA Gehör verschaffen. „Heute kann ein guter deutscher Beamter, der nur Deutschland kennt, diesen Job nicht mehr machen. König aber kennt sich auf internationalem Parkett bestens aus, das wird helfen“, sagt ein Banker.

Einige Streitpunkte sind bereits vorgezeichnet: So lamentierte sie immer wieder, dass es noch zu viele Landesbanken gäbe. Zudem, dass geeignete Regeln für Kreditausfallversicherungen fehlten. Vor einem Jahr sagte König, sie hoffe nicht, dass „unser Elan für weitere international abgestimmte Regeln erlahmt“.

Die Bezahlung scheint einer der Gründe zu sein, warum sich die Suche hinzog. Das Salär des meinungsstarken Sanio, der während der Finanzkrise Banker einmal als „jämmerliche Krämerseelen“ bezeichnet haben soll, liegt um die 130 000 Euro. Allerdings soll Schäuble das Entgelt nun auf etwa 200 000 Euro erhöht haben.

Künftig kann König nicht mehr einfach in der Mittagspause Ausstellungen in der Tate Modern besuchen. Zur Oper nach London wird sie wahrscheinlich trotzdem ab und an fliegen. Außerdem mag sie Parfums und Mode: „Ich leiste mir nur einen Luxus: Ich lasse meine Kleidung anfertigen.“

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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