Minister Bahr mahnt private Versicherer

Lösung für Beitragsschub im Alter gefordert

Ilse Schlingensiepen , Köln

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hat die privaten Krankenversicherer (PKV) aufgefordert, endlich das Problem stark steigender Beiträge für ältere Versicherte in den Griff zu bekommen. „Die PKV muss ihre Hausaufgaben machen, damit sie Zukunftsfähigkeit und Akzeptanz behält“, sagte Bahr auf dem PKV-Forum des Versicherers Continentale in Köln.

Zwar hat die Branche in den vergangenen Jahren – auf Drängen der Politik – Maßnahmen zur Behebung des Problems installiert. Aber sie reichen oft nicht aus. Im höheren Alter werden Versicherte dann mit sehr hohen Beiträgen konfrontiert. Manche müssen in Tarife mit geringeren Leistungen wechseln. „Die Versicherten haben jahrelang Beiträge für Leistungen bezahlt, die ihnen dann im Alter nicht zur Verfügung stehen“, sagte Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten bei dem Forum. Das seien keine Einzelfälle, die Politik werde immer wieder mit der Problematik konfrontiert, bestätigte Minister Bahr. „Es kann in der PKV nicht alles so bleiben, wie es ist.“

Die in der PKV für die Versicherten gebildeten Alterungsrückstellungen berücksichtigten nicht die Kostensteigerungen im Gesundheitswesen, sagte der Vorstandschef der Continentale, Rolf Bauer. Er sieht eine mögliche Konsequenz: „Wir müssen überlegen, ob unser Rechnungszins noch adäquat ist oder abgesenkt werden muss.“ Die Unternehmen müssen die Alterungsrückstellungen mit einem Rechnungszins bedienen, der seit Jahren bei 3,5 Prozent liegt. Eine Absenkung ist in jüngster Zeit immer wieder von einzelnen Unternehmen ins Spiel gebracht, aber von der Mehrheit abgelehnt worden. Denn dann würden die kalkulierten Alterungsrückstellungen nicht mehr ausreichen und müssten aufgefüllt werden. Dafür wären noch stärkere Prämienerhöhungen nötig.

Ein Teil der Probleme und des häufig negativen Image der PKV seien hausgemacht, sagte Bauer. Er forderte die Branche auf, für mehr Transparenz des Systems zu sorgen und Auswüchse wie die provisionsgetriebenen Umdeckungen von Verträgen in den Griff zu bekommen. Die PKV hat sich seiner Meinung nach in den vergangenen Jahren nicht scharf genug von der gesetzlichen Krankenversicherung abgegrenzt. „Wir müssen zeigen, dass wir ein anderes System haben, das vielleicht auch teurer ist“, sagte Bauer.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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