Niedrigzinsen nerven Swiss Re mehr als Hurrikane und Beben

Dauertief gefährdet Geschäftsmodell der Rückversicherer

Herbert Fromme , Monte Carlo

Die niedrigen Zinsen sind für die globale Rückversicherungsbranche nach deren eigener Einschätzung aktuell die schwerste Belastung – schwerer noch als das Erdbeben in Japan oder die Stürme in Nordamerika. „Diese Belastung wird bislang in der Branche nicht ausreichend wahrgenommen“, sagte Brian Gray vom zweitgrößten Rückversicherer Swiss Re beim Welttreffen der Branche in Monte Carlo. Gray ist bei Swiss Re zuständig für die Risikobeurteilung. „Viele Anbieter sind lange davon ausgegangen, dass es sich bei den Niedrigzinsen nur um ein temporäres Phänomen handelt.“

Rückversicherer legen große Summen für künftige Schadenzahlungen an. Die Verzinsung aus diesen Anlagen spielt in ihren Gewinnberechnungen eine große Rolle. Das gilt vor allem für Haftpflichtdeckungen, die über Jahrzehnte laufen. Mit hohen Kapitalerträgen kann eine Gesellschaft auch dann betriebswirtschaftlich Gewinn machen, wenn sie versicherungstechnisch Verlust macht, die Ausgaben für Schäden, Vertriebs- sowie Verwaltungskosten also höher sind als die Prämieneinnahmen.

„Wir haben in der Haftpflichtversicherung eine Blase, und die wird bald platzen“, sagte Gray. Die Preise müssten dringend steigen, um die niedrigeren Zinsen auszugleichen. Bislang sei das in der Autoversicherung in mehreren europäischen Ländern so. Aber generell sei das Haftpflichtgeschäft bei den Preisen schwach. Im Geschäft mit Großkonzernen hätten sich die zuvor fallenden Preise lediglich stabilisiert. Bei Naturkatastrophen gab es spürbare Erhöhungen.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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