Versicherer Direct Line weicht Direktvertriebsprinzip auf

Policen sollen künftig auch über AWD verkauft werden

Herbert Fromme , Köln

Der Auto-Direktversicherer Direct Line in Teltow bei Berlin verkauft seine Policen künftig auch über den Hannoveraner Finanzvertrieb AWD. Die AWD-Handelsvertreter können über die eigene Software des Vertriebs oder per Telefon Autoversicherungen abschließen. Direct Line gehört zur Royal Bank of Scotland. Das Unternehmen wächst stark im hart umkämpften Markt und versichert 450 000 Fahrzeuge in Deutschland.

Mit dem AWD-Deal weicht Direct Line das Geschäftsprinzip des Direktverkaufs allein über Internet, Telefon und Post weiter auf. Bereits heute verkauft die Gesellschaft auch über Renault-Nissan-Händler und den AWD-Konkurrenten MLP. Die ursprüngliche Geschäftsidee der Direktanbieter war, ohne Vertreter und Makler auszukommen und wegen der gesparten Provision billiger anzubieten.

Allerdings stellte sich bald heraus, dass die nötigen Ausgaben für Zeitungs-, Fernseh- und Onlinewerbung den Kostenvorteil rasch wieder auffraßen. Seit zwei Jahren kommt hinzu, dass ein Direktanbieter ohne Präsenz auf den großen Vergleichsportalen wie Check24 oder Aspect Online kaum eine Chance auf ordentliches Neugeschäft hat. Die Portale kassieren um die 80 Euro Provision.

AWD dürfte von Direct Line rund sechs Prozent der Beiträge als Provision bekommen, ein mittlerer Wert. Dass Direct Line die AWD-Vertriebskapazität relativ billig nutzen kann, liegt an einer Besonderheit. Wegen der großen Werbekampagnen ist die Gesellschaft bei Kunden bekannt und wird oft bei AWD-Vertretern nachgefragt. Dazu trägt bei, dass sie einen Zweitwagentarif anbietet, bei dem ein Halter für das zweite Fahrzeug die Rabatte des ersten erhält.

AWD verkauft bereits Autopolicen von Axa, DEVK, HDI-Gerling, VHV und Zurich, obwohl die Lebens- und Krankenversicherung Schwerpunkte des Geschäfts sind. Autopolicen bieten die AWD-Vertreter gerne an, weil der Kunde durch einen Wechsel vergleichsweise einfach einige Hundert Euro einsparen kann. Die soll er dann in eine Lebensversicherung stecken.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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