Warten auf den globalen Preisschub

Naturkatastrophen lösen keine Trendwende aus

Herbert Fromme , Monte Carlo

Trotz Erdbeben, Stürmen und Überflutungen in Japan, den USA, Australien und Neuseeland werden die Preise für Rückversicherungsschutz nicht global und flächendeckend ansteigen. Das war die übereinstimmende Ansicht der Experten beim Auftakt des Weltrückversicherungstreffens am Wochenende in Monte Carlo. Es gibt immer noch ein Überangebot an Kapazität.

Die Naturkatastrophen des ersten Halbjahrs haben die Versicherungswirtschaft rund 70 Mrd. Dollar (51,3 Mrd. Euro) gekostet, der volkswirtschaftliche Schaden beträgt ein Vielfaches davon. Dennoch: Europäische Erstversicherer wie Axa, Generali oder Gothaer, die sich gegen extrem hohe Schäden aus Naturkatastrophen bei Rückversicherern abdecken, müssen nicht mit deutlichen Preisanhebungen rechnen.

„In Europa und den USA zahlen Versicherer ohnehin drei- bis fünfmal mehr als die aus anderen Teilen der Welt für ihren Rückversicherungsschutz“, sagte Bryon Ehrhart, Chefstratege des Rückversicherungsmaklers Aon Benfield. „Es gibt keinen Grund, warum in Europa die Preise wegen der Ereignisse in Japan steigen sollten“, sagte er.

Nicht einmal Hurrikan „Katrina“, der 2005 versicherte Schäden von 72 Mrd. Dollar angerichtet habe, habe zu flächendeckenden Preiserhöhungen geführt, sagte Ehrhart.

In den direkt von den jüngsten Ereignissen betroffenen Regionen in Asien und Ozeanien allerdings müssen die Gesellschaften bis zum Doppelten der bisherigen Prämien zahlen.

Munich-Re-Vorstand Torsten Jeworrek geht davon aus, dass die Deckungen für Naturgefahren auch in Europa teurer werden, die Masse des Rückversicherungsschutzes aber in etwa auf dem Niveau des Vorjahres bleibt. „Die Vertragserneuerung im Juli in den USA hat deutliche Preiserhöhungen gebracht“, sagte Jeworrek mit Blick auf die Naturgefahrendeckungen, die zu dem Datum abgeschlossen werden. „Die Frage ist natürlich, ob sich der Trend in anderen Teilen der Welt so fortsetzt.“

Auch der Rückversicherungsspezialist Guy Carpenter, der zum Maklerkonzern Marsh gehört, glaubt nicht an eine große aktuelle Preiswende nach Jahren sinkender Raten. Es werde nur leichte Bewegungen nach oben oder unten geben, sagte Guy-Carpenter-Chef Alex Moczarski. „Der Markt ist im Moment orientierungslos“, sagte er. Dazu trage auch die Finanzkrise bei.

Die Ratingagentur Fitch sieht stabile Preise in Europa – mit der Ausnahme Frankreichs, wo die Raten für die Schadenrückversicherung sogar nach unten gehen.

 

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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