Anleger von Bord

Die Nachfrage bei Schiffsfonds ist so schwach, dass es Initiatoren schwerfällt, das nötige Eigenkapital einzuwerben

Patrick Hagen

Anbieter von Schiffsfonds leiden unter der Zurückhaltung von Privatanlegern. Obwohl es zurzeit nur wenige Angebote für Schiffsbeteiligungen gibt, fällt es Emissionshäusern schwer, das nötige Eigenkapital einzuwerben. So konnte HCI Capital für seinen Schiffsfonds JPO Leo, der Ende September geschlossen wurde, nach FTD-Informationen das Eigenkapital nicht komplett bei Privatanlegern einwerben. Stattdessen übernahmen externe Dachfonds und die Reedereipartner Oltmann und Döhle einen Teil des Eigenkapitals für das Containerschiff, hieß es bei HCI auf Anfrage.

Auch andere Fondshäuser benötigten externe Investoren, um das Eigenkapital für Schiffsprojekte einzusammeln. Beim Münchner Anbieter Conti beispielsweise entfielen rund 10 Mio. Euro von 170 Mio. Euro Eigenkapital, die das Haus in den Jahren 2010 und 2011 eingesammelt hat, auf diese Drittanleger, teilte Conti mit.

Daran zeigt sich, wie schwach die Nachfrage für geschlossene Schiffsfonds bei Privatanlegern noch immer ist. Und es bedeutet einen Rückschlag für die Emissionshäuser, die gehofft hatten, in diesem Jahr wieder mit Schiffsprojekten im Markt Fuß fassen zu können. Die erneute Zuspitzung auf den Schifffahrtsmärkten und eine Reihe von Fondsinsolvenzen lassen Anleger vor Investitionen in die Branche zurückschrecken.

Die Charterraten, die für die Vermietung von Containerschiffen fällig werden, sind seit dem Sommer stark rückläufig – und nähern sich in einigen Größenklassen bereits den Niedrigständen an, die während des ersten Teils der Krise 2009 gezahlt wurden. So erzielen Schiffe mit Platz für 4000 bis 5000 Standardcontainer zurzeit lediglich rund 8000 Dollar pro Tag, während sie im März dieses Jahres noch etwa 30 000 Dollar je Tag einnehmen konnten.

In Marktkreisen hieß es zudem, HCI habe sich mit der Schließung des Fonds besonders beeilen wollen, um einen unliebsamen Prospektnachtrag zu vermeiden. Dieser wäre nötig geworden, wenn die Einnahmen des Schiffs unter die Prognose im Prospekt gesunken wären. HCI bestritt, dass es darum ging, einen Prospektnachtrag zu vermeiden. Vielmehr hätte man die im Prospekt vorgesehene Ablieferung des Schiffes zum 1. November 2011 sicherstellen wollen, teilte das Unternehmen mit.

Der HCI-Fonds JPO Leo galt wie der Nordcapital-Fonds ER Benedetta in der Branche als Test für die Bereitschaft der Anleger, wieder in Containerschiffe zu investieren.

Nordcapital hat für seinen Fonds, der in einen Riesenfrachter mit Stellplätzen für 13 100 Standardcontainer investiert, zwar bereits mehr als ein Viertel der Anteile eingeworben. Aber seit dem jüngsten Einbruch an den Containerschiffsmärkten läuft der Vertrieb deutlich schleppender. Die Pläne, den Fonds bis zum Jahresende zu schließen, musste Nordcapital bereits aufgeben. Intern rechnet das Unternehmen damit, dass sich die Platzierung noch bis weit ins kommende Jahr ziehen wird.

Auch andere Emissionshäuser leiden unter der geringen Nachfrage nach Schiffsfonds. Der Anbieter MPC Capital muss jetzt einen Fonds rückabwickeln, der in den Massengutfrachter „Rio Manaus“ investieren sollte. MPC hatte den Vertrieb des Fonds schon vor einigen Monaten gestoppt, weil die im Prospekt vorgesehene Schwelle von 75 Prozent des Eigenkapitals nicht erreicht wurde.

Ein MPC-Sprecher begründete die mauen Verkäufe mit dem verschlechterten Marktumfeld. Außerdem sei das Schiff für die japanische Reederei Sanko im Einsatz, was nach der Katastrophe in Fukushima eine Belastung bedeutet habe. Dazu kämen die Probleme für Massengutfrachter, sogenannte Bulker, die unter massiven Überkapazitäten leiden.

Die Zurückhaltung der Anleger wird zum Problem für viele Emissionshäuser und Banken, die noch zahlreich Schiffsprojekte in den eigenen Büchern haben, die vor der Krise bestellt wurden, in der Hoffnung, sie über Privatanleger zu finanzieren. So hat der Dortmunder Initiator Dr. Peters, der gerade die Insolvenz eines seiner Schiffsfonds bekannt geben musste, aufgrund der schlechten Marktaussichten ein geplantes Projekt auf Eis gelegt. Der Fonds Nr. 138, der für Oktober 2011 angekündigt war und einen Supertanker finanzieren sollte, wird auf absehbare Zeit nicht auf den Markt kommen, sagte Dr.-Peters-Sprecher Holger Römer. Angesichts der geringen Nachfrage nach Schiffsbeteiligungen sei es unwahrscheinlich, dass ein solches Projekt ein Erfolg werde.

In der Branche herrscht große Unsicherheit über die Zukunft des Finanzierungsmodells. Einige Branchenvertreter erwarten indes, dass Anleger sich wieder für Schiffsbeteiligungen interessieren werden, wenn die Schifffahrt erst wieder für gute Nachrichten sorgt.

Torsten Teichert, Vorstandsvorsitzender des Hamburger Emissionshauses Lloyd Fonds, hält es hingegen für nötig, dass die Branche neue Finanzierungsmodelle findet. „Der klassische Schiffsfonds mit nur einem Schiff ist tot“, sagte er: „Ich glaube aber nicht an den Untergang des gesamten Marktes für Schiffsfonds.“ Zukünftige Schiffsprojekte müssten das Risiko über mehrere Schiffe streuen und stärkere Liquiditätsreserven haben. Außerdem müssten die Reedereipartner und die Emissionshäuser selbst stärker ins Risiko gehen, fordert Teichert.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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