Der Preis ist nicht alles

Kfz-Versicherer locken mit besseren Bedingungen und versprechen schnelleErledigung

Anja Krüger

Von all-inclusive bis zur Zufriedenheitsgarantie – immer mehr aus anderen Branchen entlehnte Serviceversprechen halten Einzug in die Welt der Kfz-Versicherung. Ob die Trendwende bei den Preisen nun kommt und die Beiträge anziehen oder nicht, eines steht fest: Für die Anbieter werden klug gestaltete Tarife wichtiger.

Ex-Marktführer Allianz will mit einer Kfz-Police zum Selberbauen die Oberhand über Konkurrent HUK-Coburg gewinnen. „So individuell wie Ihr Leben“ ist das Motto der neuen Produktlinie, die in den Agenturen feilgeboten wird. „Das ist ein Tarif, der nach Beratung schreit“, sagt Allianz-Sprecher Christian Weishuber. Seit September können Kunden zur Basisdeckung Zusatzleistungen kaufen, etwa einen Auslandsschutzbrief oder die Mitversicherung von Parkschäden. So soll der Kunde gezielt wählen können und für ihn überflüssige Leistungen nicht mitbezahlen müssen.

Gleichzeitig setzt die Allianz aber auch auf Rundum-Sorglos-Pakete. Der Versicherungsdienst des Autobauers VW verkauft für den blauen Riesen aus München Policen. Hier gibt es Paketlösungen. „Das richtet sich an eine andere Zielgruppe“, sagt der Sprecher.

Bereits 2007 hat der Hannoveraner Versicherer VHV auf eine Tariflinie mit breitem Deckungsumfang umgestellt. „Wir haben immer auf eine gute Leistung gesetzt“, sagt Vertriebsvorstand Jürgen Junker. Das Unternehmen verkauft über Makler. „Wir haben seit 2007 26 Mal die Bedingungen verbessert“, sagt er. In den Versicherungsschutz aufgenommen hat das Unternehmen zum Beispiel die Deckung von Schäden durch Dachlawinen und den Diebstahl von Zubehör wie Navigationsgeräten. Damit sich die bereits gewonnenen Kunden gegenüber neuen nicht benachteiligt fühlen, verbessert der Versicherer die Bedingungen stets auch für den Bestand. Um das den Autohaltern zu signalisieren, haben die Marketingfachleute der VHV die Leistungs-Upgrade-Garantie kreiert. Die VHV sieht ihre Verbesserungen auf der Leistungsseite als ausgereizt an. Neu in diesem Herbst ist die Möglichkeit für alle Kunden, sich nach einem Unfall an den Schadenservice des Versicherers zu wenden. Früher mussten sich Autohalter bei Vertragsabschluss festlegen, ob sie ihren Wagen von einer Partnerwerkstatt der VHV reparieren lassen. Jetzt können das alle Kunden noch an der Unfallstelle spontan entscheiden. Finanzielle Vorteile haben sie durch die Nutzung der Partnerwerkstätten nicht. Das ist erstaunlich, denn der Versicherer spart viel Geld, wenn Reparaturen über sein Netz erfolgen.

Es gibt auch noch Versicherer, die am Dreiklang Holzklasse, Standard und Luxusvariante festhalten. Dazu gehört die DEVK. „Dieses Modell ist einfach und transparent“, sagt Sprecher Michael Knaup. „Der Kunde kann schnell erkennen, worin sich die Tarife unterscheiden.“ Anders als die Allianz oder die VHV versteht sich die DEVK durchaus als Billiganbieter „Aber wir sind ein Niedrigpreisversicherer mit Serviceversprechen“, sagt der Sprecher. Deshalb gibt es seit diesem Herbst die Zufriedenheitsgarantie: Dauert die Schadenregulierung länger als drei Tage, bekommt der Kunde einen Tankgutschein in Höhe von 30 Euro. Das ist ehrgeizig. Beim Konkurrenten Cosmosdirekt erhält der zu lange wartende Kunde zwar 50 Euro, aber erst nach sieben Tagen.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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