Kein Grund zur Hektik

Senkung des Garantiezinses sollte nicht zu übereiltem Abschluss einerLebenspolice verleiten

Anja Krüger

Die Senkung des Garantiezinses in der Lebensversicherung sollte für Anleger kein Grund sein, schnell noch eine Police abzuschließen – auch wenn die Vertriebstruppen der Assekuranz ihnen in diesen Wochen genau das glauben machen wollen. Verbraucherschützer warnen Kunden davor, den Verkaufsargumenten der Branche auf den Leim zu gehen. Bestehende Verträge betrifft die Senkung nicht.

Vertreter und Versicherungsmakler rüsten sich wie immer im Herbst für das Jahresendgeschäft. Diesmal locken sie Kunden mit einem scheinbar starken Verkaufsanreiz: Ab 2012 sinkt der Garantiezins in der klassischen Lebens- und Rentenversicherung von 2,25 Prozent auf 1,75 Prozent. Bei den klassischen Altersvorsorgeverträgen der Assekuranz sagt der Anbieter dem Kunden zu Beginn eine Mindestverzinsung zu, die für die gesamte Laufzeit gilt. Das Bundesfinanzministerium legt die maximal mögliche Höhe fest, deshalb wird der Garantiezins auch Höchstrechnungszins genannt. Darüber hinaus beteiligen die Versicherer die Kunden an ihren Kapitalerträgen mit einer variablen Verzinsung, die jährlich neu festgelegt wird. Die Gesamtverzinsung liegt zurzeit im Branchenschnitt bei 4,1 Prozent. Sinkt die variable Verzinsung auf null, bekommt der Kunde nur die garantierte Leistung. Wichtig: Verzinst wird nie der gesamte Beitrag, sondern nur der sogenannte Sparanteil. Das ist das, was der Versicherer nach Abzug der Kosten – etwa für Provisionen und Verwaltung – übrig lässt. Wie hoch der Sparanteil ist, erfährt der Kunde nicht. Abzüge von einem Fünftel sind nicht ungewöhnlich.

Verbraucherschützer halten auch wegen dieser Intransparenz nichts von privaten Renten- und Lebensversicherungen. Die Senkung ist für sie nur ein Grund mehr, die Policen zu meiden. „Wenn ein schlechtes Produkt noch schlechter wird, heißt das nicht, dass man es vorher noch schnell kaufen sollte“, sagt Edda Castelló von der Verbraucherzentrale Hamburg. Sie rät grundsätzlich vom Abschluss ab. „Die Verträge sind extrem unrentabel“, sagt sie.

Das sieht Reiner Will von der Ratingagentur Assekurata anders. Angesichts der niedrigen Zinsen hält er Lebensversicherungen für sehr attraktiv – zumindest was die bestehenden Verträge angeht. Mittelfristig wird die Gewinnbeteiligung allerdings eher sinken. Nur wegen der Senkung der Garantie eine Police abzuschließen, empfiehlt aber auch er nicht. „Der Garantiezins ist nicht das alles Entscheidende“, sagt er. Wer aber ohnehin fest entschlossen ist, in naher Zukunft einen Vertrag abzuschließen, für den ist nach Wills Auffassung ein Abschluss in diesem Jahr durchaus sinnvoll. „Wichtig ist, dass Anleger den Willen zum langfristigen Durchhalten mitbringen“, sagt er. Denn wird der Vertrag nach wenigen Jahren gekündigt, haben nur der Vertreter und der Versicherer etwas davon.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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