Wettbewerb zwingt Axa zu Stellenabbau

Versicherer will gegen Ertragsschwund ansparen

Herbert Fromme , Köln

Der Kölner Axa-Konzern will nach FTD-Informationen bis 2015 ein Sechstel seiner Vollzeitstellen streichen. Von heute rund 9000 sollen 1500 wegfallen. Die Pläne sind Teil eines Kostensenkungsprogramms, mit dem Axa-Deutschland-Chef Frank Keuper die Ausgaben für die Verwaltung um 20 Prozent oder 220 Mio. Euro pro Jahr reduzieren will. Gespräche mit dem Betriebsrat plant er für November. Das Unternehmen lehnte eine Stellungnahme ab.

Preisbewusstere KundenMit dem Jobabbau reagiert Axa auf den enormen Ertragsdruck, unter dem die gesamte Versicherungsbranche steht. Das liegt einmal an der Finanzkrise und den niedrigen Zinsen, die die Versicherer am Markt erzielen können. Hinzu kommen Änderungen im Kundenverhalten. Sie sind heute sehr viel preisbewusster. In der Kernsparte Autoversicherung wird der Wettbewerb durch Internet-Vergleichsportale immer härter. In der Lebensversicherung droht branchenweit ein Umsatzeinbruch, weil die Einmalbeiträge 2011 deutlich niedriger ausfallen werden als in den beiden Vorjahren. Dabei legen Kunden einmalig einen größeren Betrag an, anstatt monatlich Beiträge zu zahlen.

Nicht nur Axa hat Pläne für Kostensenkungen. Viele Gesellschaften haben Ähnliches vor. Andere wie Generali glauben, dass der Arbeitsplatzabbau weitgehend ausgereizt ist und vor allem die Organisation und das Schadenmanagement Ertragsverbesserungen bringen sollen. „Die Kostenbasis ist im Wettbewerbsvergleich zu hoch“, heißt es in einem internen Papier von Axa. Effizienzen in der Arbeitsorganisation seien möglich. Es gehe darum, den Konzern „nachhaltig fit für die Zukunft“ zu machen. Nur durch höhere Gewinne könne das Unternehmen nachhaltig stabil bleiben.

Druck aus KonzernzentraleDas deutsche Stellenabbauprogramm gehe auf Landeschef Keuper zurück, hieß es in der Branche. Allerdings dürften die Anforderungen der Pariser Zentrale eine große Rolle gespielt haben. Konzernchef Henri de Castries setzt hohe Ertragsziele. Die Einschnitte sind Teil eines konzernweiten Sparprogramms, mit dem Axa bis 2015 die Kosten um 1,5 Mrd. Euro senken will. Davon sollen 600 Mio. Euro aus der Verwaltung stammen, 400 Mio. Euro aus dem Vertrieb.

Da Axa viele Teilzeitbeschäftigte hat, dürften in den kommenden vier Jahren etwa 1800 Menschen von dem geplanten Einschnitt um 1500 Vollzeitstellen betroffen sein. Der Konzern beschäftigt 11 200 Angestellte.

Generali-Interview: Seite 16

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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