Allianz greift Banken und Politik an

Versicherer kritisiert Kampf um Anlegergelder sowie Spekulanten //Quartalsgewinn bricht ein

Herbert Fromme , Köln

Die Allianz leidet unter dem heftigen Wettbewerb, den sie sich mit den Banken um das Geld der Anleger liefert. Zugleich aber glaubt der Münchner Versicherer daran, mittelfristig von den Problemen der Geldhäuser profitieren zu können. „Banken konkurrieren mit zum Teil abstrus hohen Zinsen“, sagte Finanzchef Oliver Bäte am Freitag bei Vorstellung der Quartalszahlen. Auf der Suche nach Liquidität zahlten sie hohe Preise für Spareinlagen. „Wir haben französische Banken, die mehr als fünf Prozent Zinsen bieten für Anlagen über 36 Monate.“

Bätes Aussagen belegen ein doppeltes Dilemma der Versicherer: Sie haben angesichts niedriger Zinsen enorme Probleme, die Garantien zu erfüllen, die sie ihren Kunden gegeben haben. Zudem sind die Banken nach der Finanzkrise dringender auf Spareinlagen angewiesen denn je und ködern die Kunden mit hohen Zinsen.

Mittelfristig werde der DAX-Konzerns aber von den Problemen der Banken profitieren, hofft Bäte. Die Institute müssten schließlich Vermögenswerte verkaufen, um sich zu sanieren. Bei hochqualitativen Papieren wie langfristigen Hypothekenkrediten könne die Allianz zugreifen, um die Magerzinsen, die Staatsanleihen abwerfen, zumindest teilweise ausgleichen. Derzeit kämen zwar meist minderwertige Papiere auf den Markt, aber das werde schon bald ändern.

Vorerst freilich setzen die Banken, aber auch die Griechenland-Krise dem Konzern erheblich zu. Im dritten Quartal brach der Gewinn um 84 Prozent auf 196 Mio. Euro nach Steuern und Anteilen anderer Gesellschafter ein. Die globalen Prämieneinnahmen im Kerngeschäft Lebensversicherung fielen mit 11,8 Mrd. Euro um sechs Prozent schlechter aus vor Jahresfrist. Die Allianz litt unter hohen Verlusten ihrer Aktienanlagen sowie den Beteiligungen an Geldhäusern wie der Commerzbank und Versicherern wie Hartford Life in den USA. Hinzu kam eine deutlich erhöhte Steuerlast von 60 statt 34 Prozent: Viele Verluste aus den Abschreibungen werden steuerlich nicht berücksichtigt.

Seine Griechenland-Anleihen schrieb der Konzern auf 39 Prozent des Nennwerts oder 497 Mio. Euro ab. Größere Probleme drohen indes in Italien: Dort hat die Allianz einerseits Töchter und andererseits Staatsanleihen über 25,6 Mrd. Euro. Am Jahresziel von 7,5 Mrd. bis 8,5 Mrd. Euro Gewinn hält die Allianz gleichwohl fest.

Im Kampf gegen Spekulanten griff Bäte die Politik an. „Wir haben in einigen Anlageklassen einen Käuferstreik, und das wird systematisch von Spekulanten ausgenutzt.“ Es gebe seit mehr als zwei Jahren eine Diskussion über mehr Transparenz, aber nichts passiere. So fehlten nach wie vor zentrale Gegenparteien, die einspringen, sobald ein Handelspartner ausfällt, zum Beispiel am Derivatemarkt

 

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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